
Um 1600 hat Rudolf II das Wildern im Prater bei hoher Strafe verbieten lassen. Die Wiener hielten sich nicht daran und schossen ab, was ihnen gerade vor die Büchse lief. Königlich eingesetzte „Oberwächter“ liefen den Wilderern hinterher, ohne ihr Treiben verhindern zu können. Die Wiener hatten sich ihr Recht auf den Prater einfach geholt. Ca. 150 Jahre später gab Joseph II den Prater für das Volk frei.
Wieder ca. 250 Jahre später – am 7. Juni 2008 besetzt ein kleines, tapferes Grüppchen Erholungssuchender rund um die Bezirksgrünen in der Leopoldstadt ein weiteres Stück Prater – nämlich die Rasenfläche vor dem funkelnden und verglasten Spielcasino von Novomatic. Das Rasenstück, um das es hier geht, wurde zwar von Novomatic gepachtet, es ist aber als EPK, d.h. als Erholungsgebiet Park gewidmet. Deswegen hat sich die furchtlose Gruppe daran gemacht, am Samstag Vormittag den Platz, der ja der Bevölkerung gehört, endlich mittels Picknick nutzungskonform zu verwenden. Die Sonne schien kräftig, der Kaffe war ausgezeichnet. Es gab selbst gemachten Kuchen und frische Früchte. Bis der „Oberwächter“ vom Casino dieses bunte Treiben verbieten wollte. Das Recht liegt aber auf der Seite der Wiener Bevölkerung. WIR und auch SIE dürfen die Rasenfläche verwenden. Novomatic hat sich mit dem Pachtvertrag lediglich die Pflicht erkauft, das Rasenstück zu pflegen und sicher nicht das Recht, die BürgerInnen davon zu vertreiben.
Wie wird im 21. Jahrhundert vertrieben? Zumindest hat man nicht auf die tapferen BürgerInnen geschossen, wie Rudolf II das noch angeordnet hatte. Novomatic hat die Rasensprenkelanlage gegen die Gallier (ups, natürlich gegen die LeopoldstädterInnen) eingesetzt. Nach fast 2 Wochen Dauerregen auch eine umwelttechnisch bedenkliche Maßnahme. Die findigen Erholungssuchenden ließen sich dadurch nicht stören. Kühlten sich ab und genossen den Vormittag auf einer Wiese, in die sich bis dato noch kein Hund verirrt hatte. Deswegen kann dieser Platz dazu empfohlen werden z.B. barfüßig Frisby zu spielen. Wenn die Sprenkelanlage läuft, an heißen Tagen, ist der Platz ein besonderes Vergnügen. Lassen Sie sich diesen Spaß nicht entgehen!
Name gesucht: Dieser Platz ist kein Privatgrund, sondern er ist öffentlich, deswegen suchen die Grünen Leopoldstadt Vorschläge für einen Namen. Schicken Sie Ihre Namensvorschläge an leopoldstadt@gruene.at Der beste Vorschlag wird in der nächsten Bezirksvertretungssitzung eingebracht.
Beispiele: Platz der Wilderer, Wasserplatz, Wiener Platz, etc.
amüsiert lg ulli
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