Baumfällungen in der Offenbachgasse

31 03 2011

Die großen Bäume in der Offenbachgasse sorgten fürs Mikroklima im Grätzl. Foto: Martin Juen

Sieben große schöne gesunde Bäume wurden am 22. März in der Offenbachgasse für ein paar wenige Parkplätze gefällt, deren Errichtung unseres Erachtens keine Notwendigkeit darstellen. Den AnrainerInnen, die uns anriefen, wie meist wenn Bäume fallen, möchten wir sagen: Auch unter rot-grün stehen wir für Bäume, für Umweltschutz und werden uns weiterhin für Grünraum und Klimaschutz in der Leopoldstadt einsetzen.

Bauarbeiten in der Offenbachgasse

Mitte März begannen Straßenumbauarbeiten in der Offenbachgasse, die noch bis Mitte April dauern werden. Die Fahrbahn wird erneuert, die Parkspuren erweitert, das heißt, statt 2 Längsparkspuren stehen nach Fertigstellung 1 Schräg- und 1 Längsparkspur zur Verfügung. Soweit, so gut. Für ein paar mehr Parkplätze wurden 7 große gesunde Bäume geopfert.

Baumstümpfe in der Offenbachgasse. Foto: Robert Wallner

Wo sind die Grünen?

Nach dem Auffahren der Baufahrzeuge läutete bei uns schon das Telefon. Bäume sollen geschnitten werden. BR Robert Wallner, zufällig im Fotoeinsatz wegen gefällter Bäume in der Krieau, kam zwar sofort vorbei, konnte aber nur mehr die gefällten Bäume dokumentieren. Wir konnten die Baumfällungen leider nicht verhindern.

Bauarbeiten in der Engerthstraße/ehemalige Trasse des 21ers verursachten temporären Parkplatzmangel

Nach Einstellung des 21ers wird auf der Trasse eine neue Haupttransportleitung der Fernwärme gebaut, angrenzende Straßen erneuert, wie die Offenbachgasse. Dadurch kam es, wie uns AnrainerInnen berichteten, an manchen Abenden zu einem Parkplatzmangel. „Es gab halt keinen Parkplatz vor der Tür“, „ist eh absehbar“, waren Antworten auf unsere Nachfragen. Wenn die Baustelle in der Engerthstraße fertiggestellt ist, wird es sicher wieder genügend freie Parkplätze geben.

Weitere Baumstümpfe in der Offenbachgasse. Foto: Robert Wallner

Bäume sind unser Klimaschutz – verantwortlich fürs Wohlfühlen im Grätzl

Wir Grünen konnten es kaum glauben, in der Offenbachgasse wurden für ein paar Parkplätze mehr Bäume geschnitten, die über Jahrzehnte zum Wachsen brauchen. So ist die emotionale Reaktion der AnrainerInnen verständlich. Für uns Grünen sind die ökologischen Belange lebenswichtig, in Summe sind Meinungen, wie „waren eh nur ein paar Bäume“ nicht nachvollziehbar. Hier wichtige Argumente für den Baumschutz:

- Die Bäume sind wichtig für das Stadtklima, für das grüne Mikroklima in Grätzln, besonders bei sommerlichen Temperaturen!
- Bäume bilden Hitzeinseln
- Bäume kühlen die Luft durch Verdunstungskälte, weil sie Feuchtigkeit speichern!
- Bäume filtern die Luft, binden Staub und erzeugen Sauerstoff!

Die BürgerInneninitiative am Trunnerpark verhinderte erfolgreich das Fällen der Bäume.

Aus unserer Praxis mit Baumfällungen

Wir erfahren meist ganz kurz vorher oder eher noch danach von Baumfällungen. Wir empfehlen den AnrainerInnen, sofort zu den ArbeiterInnen zu gehen und nach dem Bescheid zu fragen. Mit den Daten des Bescheids kann man beim Magistratischen Bezirksamt (MBA), Baumschutzreferat, nachfragen. Gibt es keinen Bescheid, hat man gute Chancen, die Baumfällungen zu stoppen.

Gibt es einen Bescheid, sind die Hände gebunden. Hier können wir die AnrainerInnen medial unterstützen, die Baumfällung öffentlich machen und können die Einhaltung der Ersatzpflanzungen fordern. Die besten Chancen sind Baumfällungen zu verhindern, wenn wir im Vorfeld davon Kenntnis erhalten.

Arbeiter messen Bäume in Innenhöfen

Das ist zB ein Hinweis, wenn in Innenhöfen Bäume gefällt werden sollen. Hier konnten wir schon mehrmals aufmerksamen LeopoldstädterInnen helfen, die Bäume in den Innenhöfen zu retten. Bei zuviel Schatten durch ausladende Zweige ist es manchmal möglich, mit einem Rückschnitt mehr Licht zu schaffen. Oder es sind gar Parkplätze statt grüne Innenhöfe angedacht, auch Bezirksmedien schreiben hier gerne darüber.

Wiener Baumschutzgesetz

Grundsätzlich ist in Wien jeder Baum geschützt §1, wer einen Baum fällen will, braucht eine behördliche Bewilligung; mögliche Gründe:
- wenn die physiologische Altersgrenze erreicht/überschritten ist
- wenn Bäume bauliche Anlagen oder Personen gefährden und in dem Fall nur eine Fällung helfen kann
- bei Bauvorhaben, wenn sonst nicht gebaut werden kann
- oder auch bei Verkehrsprojekten, wenn das öffentliche Interesse überwiegt – §4.

Einen Baumfällungsantrag kann der GrundeigentümerIn/PächerIn/Bauberechtigte stellen. Aber erst wenn ein Bescheid da ist, darf der Baum gefällt werden.
Für jeden gefällten Baum muss eine Ersatzpflanzung vorgenommen werden, das ist auch im Bescheid festgehalten. Wenn es nicht geht auf demselben Grundstück, dann in der Nähe oder woanders – innerhalb von Wien. Wenn Ersatzpflanzungen nicht möglich sind, dann gibt es auch hier eine Ausgleichsabgabe.
Der Bezirksvorsteher wird vor jeder Baumfällung zur Stellungnahme aufgefordert.
Wer mehr zum Gesetz wissen möchte, hier der Link zum

Baumschutzgesetz

Link zu weiteren Fotos zu den Baumfällungen in der Offenbachgasse.


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4 Antworten

31 03 2011
Friedrich Hochmann

Bei der Baumfällung in der Offenbachgasse dürfte es darum handeöln, dass Parlplätze für den SPAR geschaffen wrden sollen, die SPAR bei der Planung der neu gestalteten Filiale vergessen haben dürfte, bzw. erkannt hat, dass das offenbar angedachte Konzept der Nahversorung für klinere Einkäufe für die Bediensteten im 4/2 nicht ganz aufgeht. Vermutöich werden die durch die Baumfällungen geschaffenen zusätzlichen Parkplätze dann SPAR als Kundenparkplätze zugeschanzt werden, die der Steuerzahler bezahlt – doppelter Gewinn für SPAR.

31 03 2011
Uschi Lichtenegger

Spar rühmt sich, neue ökologische Maßstäbe beim Supermarktbau zu setzen:
http://unternehmen.spar.at/spar/zeichen_setzen/ein_starkes_zeichen_fuer_den_schutz_der_umwelt/klimaschutz_supermarkt_murau.htm
Wenn ich nun Ihrer Schlußfolgerung folge, würde das nun heißen, für den Umwelt”Supermarkt” der Kette Spar wurden 7 große Bäume gefällt, damit diese auf Kosten der Steuerzahler einen Parkplatz bekommen…

31 03 2011
Friedrich Hochmann

Diese Befürchtung hege ich, da ich bei unserem BV noch nie bemerkt habe, dass er Ungemach von den Bewohnern der Leopoldstadt abgehalten hätte.

14 05 2011
Robert Wallner

Habe ein Mail an Spar geschrieben – folgende Antwort kam:

….zu Ihrer Anfrage vom 11.05.2011 dürfen wir Ihnen bekanntgeben, dass es im Zuge der Neuerrichtung unseres Klimaschutzmarktes Engerthstrasse 230A zu einer Grenzverschiebung gekommen ist. Bis zu diesem Zeitpunkt haben sich die von Ihnen angesprochenen Sträucher an der Grenze zwischen Öffentlichem Gut und SPAR-Markt befunden. Seit der Grenzverschiebung lagen die Sträucher ausschließlich im Öffentlichen Gut und damit im Zuständigkeitsbereich der MA28.
Wir bitten Sie daher, diesbezügliche Anfragen an die MA28 zu richten und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
Alois Huber

was sagt dieses Mail: auch für Spar sind 8 alte und gesunde Bäume nur einfache Sträucher und somit wurscht. Parkplätze zählen halt mehr als Bäume.

Eines sei gesagt: wer ja sagt zu Fällungen von alten und gesunden Bäume, den sind auch alte Menschen egal!

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