Die niedrigen Häuserzeilen, im Josephinischen Stil, zwischen 1770 und 1780/90 errichtet, machen viel vom besonderen Flair des Karmeliterviertels aus.
Sie liegen in einer wichtigen Schutzzone für Altstadterhaltung in der Leopoldstadt.
Trotzdem scheitern, engagierte Anrainer/innen und die alarmierten Leopoldstädter Grünen regelmäßig, wenn es gilt, spekulativer Zerstörung das Handwerk zu legen.
So endete letztes Jahr die mehr als 200-jährige Geschichte der Häuser Große Sperlgasse 14, Karmelitergasse 3, ganz uncharmant durch Abriss.
Heuer stehen der Großen Sperlgasse 4, Aufstockung und Operative Maßnahmen am Gesamtkörper bevor.
Für Immobilien-Entwickler/innen ist nämlich diese stilvolle Josephinische „Einstöckigkeit“ gar nicht sexi.
Eher eine Geschoßvergeudung und Verbrechen wider den Nutzwertzuwachs.
Überraschung: Wenige Schritte entfernt von diesen Tatorten der Spitzhacke, sieht es ein Eigentümer ganz anders:
„Das Haus am Karmeliterplatz 3 wird renoviert!“
Diese gute Nachricht ist an’s Erdgeschoßfenster geheftet.
Viele Passant/innen haben es schon mit Erleichterung zur Kenntnis genommen.
Das schöne alte Gebäude – „Der Reichsapfel“ – ist in gute Hände gefallen.
Ernst Lemberger, der neue Besitzer, hat sich mit Respekt und Freude, an die Instandsetzung der historischen Liegenschaft gemacht.
Akribische Recherche in Archiven und Beratung durch Experten des Bundesdenkmalamtes, zeigen schon jetzt auf der Baustelle ihre Wirkung.
Der neue Besitzer, mit der Liebe zu alten Plänen klettert mit Vergnügen über die alten Wendeltreppen, um das das rohe Gebäude unverputzt in seinen „archäologischen“ Schichtungen vorzustellen.
Die Herausforderung eine „Josephinische“ Raumaufteilung in zeitgemäße Bewohnbakeit umzuwandeln ist bestens aufgegangen,– vom Dachboden mit seinen wuchtigen Tramen,– bis hinunter zum verwinkelten Innenhof.
Nun geht es für den „Ausnahme-Entwickler“ Ernst Lemberger noch um den nächsten Schritt: eine Mischung von Wohn- und Gewerblicher Nutzung zu finden, die sich mit dem Charme des Karmeliterplatzes gut verquickt.
Möge auch diese Übung gelingen.
Für den behutsamen Umgang mit alter Bausubstanz tosender Applaus!
Wäre schön wenn’s für die Zukunft im Viertel beispielhaft wirken täte.

Nur gut, dass das Haus nicht in die Hände der Wr. Verwaltung gefallen ist, sonst würden mindestens 3 Stöcke aufgebaut; wenn nicht anders so mit Hilfe des §69 Wr.BO, der zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund der großen Gestaltungsmöglichkeit der Behörden verfassungswidrig, aber in der Anwendung sehr praktisch ist und auch eine Aushebelung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes ermöglicht.
Ja, manchmal geht es gut aus,
ja leider der 69er ist ein joker
Bezüglich des §69 sollten sich die Grünen bemühen eine Streichung desselben, zumindest aber eine wesentliche Einschränkung zu erreichen. ch werde versuchen die ÖVP und die FPÖ, die mehr als 1/3 der Landtagssitze innehaben, für ein Gesetzprüfungsverfahren bezüglich des §69 zu interessieren.