Nordbahnhof: Ansturm auf den Wasserturm

1 10 2010

Der alte Wasserturm als Stadtteilzentrum am Nordbahnhof

Schon bei unserer open air – Sprechstunde beim Rudolf Bednar Park merkten wir, dass es ein reges Interesse am von den Grünen entwickelten Kommunikationsprojekt Wasserturm, dem Nordbahnhofgelände selbst und den bevorstehenden Planungen gibt.

Brigitte Redl – Grüne Bezirksrätin in spe – organisierte eine Fachführung und konnte dafür den Historiker und Stadtforscher Manfred Schenekl gewinnen, der uns durch das Areal begleitete. Etwas Internetwerbung, aber auch ein wirklich guter Bericht in der Bezirkszeitung mit Terminankündigung ließ erwarten, dass wir nicht alleine durch das Gelände streunen werden.

Stadtforscher Manfred Schenekl referiertDass es aber gezählte 82 Personen waren, die diese Führung mit uns machten, war wirklich nicht zu erwarten und stellte uns auch akustisch vor eine Herausforderung.

Manfred Schenekl gab einen höchst interessanten historischen Abriss des Areals, von der einstigen Aulandschaft über den wichtigsten Kohlenbahnhof der Monarchie, seinen Aufstieg und auch den Niedergang, bis zum kriegswichtigen Versorgungsbahnhof im Naziregime samt seiner Zerstörung durch die Alliierten. Aber auch das Interesse der Stadt Wien an der städtebaulichen Entwicklung dieser zentrumsnahe „Brache“ bis zur Erstellung des städtebaulichen Leitbild 1994 war Thema.


Da ich seit der Erstellung des Leitbildes schon in der Bezirkspolitik tätig bin, durfte auch ich meine Sicht der Dinge darlegen.

So erzählte ich, wie die Stadt Wien von den ÖBB über den Tisch gezogen wurde. Wie sie das gesamte Grundstück im Abtausch mit den Verschiebebahnhof „Metzgergründe“ im Süden von Wien erwerben wollte. Die Stadt Wien hat, was die Dichte der Bauweise angeht, ein der ÖBB durchaus entgegenkommendes Leitbild beschlossen, das sie einem Privaten niemals zugestanden hätte.

Oder über die denkmalgeschützte Autobusgarage in der Vorgartenstraße, in der heute der Hofer drinnen ist. Die Genossen wollten sie einfach der Gesiba „schenken“, für eine zweistöckige Garage für ihr danebenliegendes Wohnhaus. Wir hingegen wollten in der Autobusgarage ein Zentrum der Nahversorgung und Begegnung schaffen, mit Kleingewerbebetrieben, einem Cafehaus, einer kleinen  Bühne, Bewegungsplätzen und viel Platz für Kommunikation. Es war wohl zu ambitioniert und hat die Stadtverantwortlichen überfordert. Nur an die Wohnbaugenossenschaft konnten sie es jetzt aber auch nicht mehr „verschenken“ und vergaben es an einen Diskontmarkt. Eben ein sozialdemokratisches Verständnis von Nahversorgung.

Wir erfuhren aber auch von den AnrainerInnen, dass der Rudolf Bednar Park schon heute – auch wenn erst ein Teil des Nordbahnhofgeländes verbaut ist – an manchen Tagen zu klein ist.

Den Wasserturm fanden dann doch alle „Wanderer“, wenn auch etwas ramponiert, als ein tolles Objekt, das wie geschaffen ist, ein Zentrum dieses Stadtteils zu werden.

Großes Interesse der AnrainerInnen

Wirklich toll war das große Interesse der TeilnehmerInnen und auch der Wunsch sich bei künftigen Planungen, sowohl bezüglich des Wasserturms wie auch des gesamten Nordbahnhofgeländes, einbringen zu wollen. Aber auch Misstrauen gegenüber den verantwortlichen StadtpolitikerInnen wurde geäußert.

Deshalb wird es auch nötig sein, dass dieser Planungsprozess von ExpertInnen begleitet wird, die nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis der Stadt Wien sind und dass die Anrainer Partner auf gleicher Augenhöhe sind.

Wir Grüne werden die SPÖ jedenfalls in die Pflicht nehmen.

Ihr
Adi Hasch

Weitere Fotos im Fotoalbum der Grünen Leopolstadt.


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Eine Antwort

3 10 2010
brig

Etwas Internetwerbung, aber auch ein wirklich guter Bericht in der Bezirkszeitung mit Terminankündigung allein, genügen natürlich nicht, um so eine rege Beteilgung auszulösen, da brauchts schon auch noch einen Wasserturm!-mindestens…
Am Freitag nachmittag waren deshalb die TeilnehmerInnen selbst als Expertinnen für G’stetten, öffentliche Räume, Denkmäler auf diesen,– und deren Gefährdung durch reine nutzwertorientierte Bebauungen–, unterwegs.
Danke
für das lebhafte mitdiskutieren und -informieren.
Z.B Gustav Böhm dessen, von Uschi Lichtenegger initiierten Begehungen, legendär sind.
Manfred Schenekl für die vertziefende wissenschaftliche Begleitung.
Dank auch an die Secession und die Künstlerin Lara Almarcegui, der wir die vielen schönen und informativen Folder verdanken.
Adi Hasch ist sowieso der Größte.
Aber was blieb uns davon, ohne Martin Juens Super-Fotos!
Ist sicher nicht das nicht das letzte mal, dass wir durch die G’stetten streunen,- solange sie noch existiert. Sag ich amal ganz als Brigitte in spe…;-)

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