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DAS BLOG DER GRÜNEN IN WIEN LEOPOLDSTADT

Boykottaufruf – kauft nicht bei Hofer!

14 Kommentare

Heute nachmittags fand auf der Mariahilfer Straße wieder ein Flashmob gegen das Bettelverbot statt, das am 26. März im Wiener Landtag mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ in einer Änderung des Landes-Sicherheitsgesetzes beschlossen wurde. Danach war nicht – wie vorher schon – aggressives und organisiertes Betteln verboten, sondern auch gewerbsmäßiges Betteln.

Das heißt, es gibt in Wien ein Bettelverbot, welches

1. die Armen bekämpft und nicht die Armut.
2. Vorurteile und Ängste gegen Menschen schürt.
3. das Freiheitsrecht des Menschen in Frage stellt.

So sollen die bettelnden Menschen durch ihr Dasein, Dasitzen, KundInnen von Geschäften „belästigt“ haben, so schwache Rechtfertigungsversuche so mancher PolitikerInnen.
Aber die „Belästigung“ sieht anders aus, durch BettlerInnen werden wir erinnert, es gibt Menschen, denen es nicht so gut geht, die keine Jobs haben, nichts zu Essen haben und sich vielleicht auch zu uns nach Österreich karren lassen, weil es hier beim ach so schönen Betteln so viel zu verdienen gibt…

Seit Mitte Juli gibt es eine Plakataktion von Stadt Wien, Wirtschaftskammer und Polizei

Gut sichtbar sollen die Plakate von Geschäftsleuten in Einkaufsstraßen an den Auslagen angebracht werden und die KundInnen auffordern, Bettlern kein Geld zu geben. Der Protest in den Medien folgte sofort, die Geschäftsinhaber rechtfertigen sich mit „Belästigung“, siehe oben.

Bald wurden Plakate auf den Hofer-Filialen gesehen

und im www kommuniziert: http://bettellobbywien.wordpress.com/2010/07/16/wko-plakate-in-hofer-filialen-gesichtet/
In einer Antwort der Fa. Hofer heißt es:

„… wir haben uns entschlossen in unseren Wiener Filialen die Poster anzubringen, weil es tagtäglich zu unzähligen Beschwerden unserer Kunden über die Bettler vor den Filialen kommt.
Die Bettelei vor den Filialen ärgert und verängstigt viele Kunden.
Wir möchten unseren Kunden einen angenehmen Einkauf ermöglichen …“
Zum Abschluss etwas zynisch: „Wir hoffen Sie dennoch bald wieder als zufriedene Kundin bei Hofer begrüßen zu dürfen.“

Boykottiert den Hofer!

Mich ärgert und verängstigt das Plakat auf den Hofer-Filialen. Heute sind es die Bettler, wer soll morgen aus dem Straßenbild verschwinden? Die Plakate stehen der FPÖ mit ihrer Hetzerei um nichts nach, sind nur anders verpackt. Wir dürfen das so nicht zulassen und können Schritte setzen, zum Beispiel in diesen Geschäften nichts mehr einzukaufen!

Proteste an die Firma Hofer an die eMailadresse:   Verkauf.TRU@hofer.at

Weitere Links zum Bettelverbot:
http://martinmargulies.wordpress.com/2010/03/24/unwurdiges-bettelverbot/
http://klauswerner.com/2010/03/bettelverbote-und-die-verwahrlosung-der-wiener-spo/
http://bettellobbywien.wordpress.com/

„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ – Bertold Brecht

Autor: Uschi Lichtenegger

http://dieleopoldstadt.at/menschen/bezirksraetinnen/lichtenegger.html?tx_jppageteaser_pi1[backId]=192

14 thoughts on “Boykottaufruf – kauft nicht bei Hofer!

  1. Ein Boykottaufruf gegen ein Unternehmen aufgrund der Teilnahme an einer offiziellen Aktion von Wirtschaftskammer, Stadt Wien und Polizei.

    Es tut mir leid aber genau mit derart unnötigen Aktionen machen sich die Wiener Grünen aus meiner Sicht völlig unwählbar. Eigentlich schade….

    • Der Hofer KG in diesem Fall Ausländerfeindlichkeit und Hetze vorzuwerfen wäre ähnlich als würde man den Wiener Grüne aufgrund dieses Boykottaufrufs Antisemitismus vorwerfen. (weil wie so oft Hofer ausgewählt wurde)

    • Ich kaufe zwar sowieso niucht bei “Hofer” ein, da er als disconter die Nahversogrung noch mehr ruiniert als als die großen Ketten “BILLA” und “SPAR”, trotzdem habe ich folgendes anzumerken:

      auch bei einer Aktion von der Stadt Wien, der Wirtschaftskammer und der Polizei muß die Möglichkeit bestehen diese zu kritisieren und der Aufruf zum Boykott ist eine legitime Maßnahme.

      Nur weil sie Aktion genannten Partnern unterstützt wird, ist sie noch lange nicht “gut, und es ist bedauernswert, daß sich die Polizei als wichtiges, jedoch parteiloses Organ von Stadt Wien für Kamangen dieser Form vereinnahmen läßt.

    • Wenn eine Aktion von WK, Stadt Wien und Polizei ist, muss sie deshalb noch nicht unterstützenswert sein. Autoritätshörigkeit hatten wir schon oft genug.
      Liberal sein, so meine ich, heißt nicht betteln verbieten. Oder?

    • Da muss ich leider zustimmen, auch ich fühle mich durch vor den Geschäften sitzende Bettler belästigt, vor allem wenn ich mit den Kids einkaufen gehe.

      Finde es daher von Hofer absolut OK sowas aufzuhängen.

  2. Es ist keineswegs nachvollziehbar, wie bei uns jemand das Betteln bei einem Mindestrichtsatz von knapp EUR 750 notwendig hat. Wie wäre es wenn die Herrn und Damen Politiker von den Grünen zur Aufstockung des Mindestrichtsatzes auf einen Teil ihres Einkommens verzichten, dass sie ohnedies zu Unrecht in dieser Höhe von dem österreichischen Steuerzahler einkassieren. Machen wir doch eine Kampagne dafür!

  3. Wenn jemand wirklich nur für den eigenen Bedarf bettelt, dann müsste man das in einem freien Land an sich zulassen. Es gibt in Wien aber zweifellos eine ausgeprägte “Bettelmafia”, das heißt, arme Menschen werden ausgenutzt, an günstige Stellen hingekarrt um zu betten, und das Geld verschwindet ohnehin irgendwo und kommt nicht oder nur zu einem kleinen Teil denen zugute, die es brauchen. Und so manche scheinbar Verkrüppelten können plötzlich doch gehen – und schaden so denen, die wirklich arm sind.

    Gibt es nicht ohnehin mehrere Hilfseinrichtungen, Notquartiere, “Streetworker/innen” etc, die sich um wirklich Arme kümmern sollten? Wenn es ein Bettelverbot gibt, dann müsste dieses jedenfalls Hand in Hand mit solchen verstärkten Maßnahmen gehen, und Polizei- und Security-Einsätze das letzte Mittel sein.

  4. Gibt es denn eigentlich eine Untersuchung über die Ursprünge der Bettelei in Wien?

    Wie stark ist nun der Anteil an organisiertem Betteln?

    Meiner Meinung muss die Bettelei bekämpft werden, da sie größtenteils unter Aufgabe der persönlichen Würde ausgeführt wird. Dazu müsste das Problem an der Ursache angegangen werden doch habe ich nicht das Gefühl, dass diese Ursache bisher (von einer ausgeprägten Meinungsbildung einmal abgesehen) genauer untersucht worden ist.

    • Noch etwas:

      Ich gehe regelmäßig in Geschäfte einkaufen, vor denen Bettelnde stehen. Das Gefühl ist tatsächlich sehr unangenehm, denn einerseits tut einem das Gegenüber ja leid, doch andererseits habe ich nicht das Gefühl, ihm mit meiner Spende wirklich helfen zu können, da das Geld ja vermutlich – wie schon von den anderen Postern erwähnt – in andere Taschen wandert.

      Das unangenehme Gefühl, das sich einstellt ist also zumindest bei mir eines der Unsicherheit, da ich nicht weiß, wie ich mit dem Menschen umgehen soll.

  5. Das Bettelverbotsplakat ist beim Hofer Engerthstraße wieder weg.

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