Schon einige Saisonen ist der Schnellkatamaran zwischen Wien und Bratislava unterwegs, ab 15. Juli wird es für die Passagiere aber richtig komfortabel. Die Stahl-Glas-Konstruktion am Wiener Donaukanal scheint fast über dem Otto-Wagner-Geländer zu schweben. Das Teil, von fasch&fuchs geplant, ist wie ein transparentes Landmark von beiden Kanalufern unübersehbar,– durchschaubar schon. Von der Marien- und Schwedenbrücke aus, gelangt man zukünftig bequem zum Terminal.
Ja, bequem – aber auch konsumfrei?
Die Schwerpunktverlagerungen zwischen Fahrscheinschalter und Szenelokal werden die Konstruktion der Anlegestelle nicht ins Kippen bringen, dafür die Konsumation umso mehr in Bewegung.
Denn, so Wien Holding-Chef Komm.-Rat Peter Hanke:
Die neue Schiffsstation „Wien-City“ ist für uns viel mehr als nur ein Schiffsterminal. Mit Bernd Schlachers „Motto am Fluss“ ist eine einzigartige Gastronomielandschaft entstanden, die unser „Wien-City“ auch zu einem Schmuckstück der Lokalszene in der Wiener Innenstadt macht. Wir rücken damit den Schwedenplatz näher an den Donaukanal, der mit diesem Projekt immer mehr zur Flaniermeile am Wasser wird. (Pressetext Motto am Fluss 07_2010)
Blickraub
Nur dem angekündigten transparenten Landmark, das vom Schwedenplatz aus den Durchblick zu den neuen Donaukanal-Bauwerken in der Leopoldstadt erlaubt, wird „augenscheinlich“ durch Gewinnmaximierung die Sicht verstellt.
Bernd Schlacher:
Mit einer Verbindung dieser drei Elemente sorgen alle am Projekt Beteiligten für ein Novum, das neuartig in Wien ist. In diesem Zusammenhang würde ich sogar von einer Symbiose sprechen: Architektur, Kulinarik und Dienstleistung… (http://magazin-city.at 05/2010)
Dieses „neuartige Novum in Wien“ bedeutet allerdings für die PassantInnen am Schwedenplatz, die nächsten geschätzten 10 Leasingjahre, nichts anderes als die komplette Verdeckung der Glasfassade der Anlegestelle als Werbescreen! Wer sich das neue „Schmuckstück der Lokalszene“ dahinter nicht leisten kann (oder will), wird zwischen Schwedenbrücke und Marienbrücke genau das Nachsehen haben.
Blöd gelaufen wieder einmal im Öffentlichen Raum im “Herzen” Wiens. Nennt sich Blickraub!!
Von der Leopoldstadt aus gesehen ist der Schwedenplatz zwar nicht so schön,– aber der Blick zum Eissalon…….
Die interne konsumfreie Flaniermeile: Rechts die Rückwand des Szenelokals, links sollen die Screens bis nach oben durchgezogen werden:




Furchtbares, unnötiges Zeugs. Aber wenn es einer finanziert und der Meinung ist, es kann sich auszahlen, na meinetwegen.
was mich aber viel mehr stört, ist das, was sich darunter befindet. Wenn es einen Teil dieses Donaukanalufers gibt, welches man sofort verlassen möchte, dann ist es dieser Teil.
Ich kann mir schwer vorstellen, dass es, wenn alles weggeräumt ist was noch Teil der Baustelle ist, auch nur im Mindesten ein Bereich sein wird, vor dem man nur die fuß- und fahrradmässige Flucht ergreifen möchte.
Deshalb: Das Konzept sah nur vor, es von oben hübsch aussehen zu lassen (worüber man auch streiten kann), aber unten ist eine fußgängerfeindliche Gstätten entstanden.
Update:
Nun ja, gestern habe ich den Kiel und den Bereich unter dieser Konstruktion gesehen. Immerhin ist aufgeräumt.
Was aber nichts daran ändert, dass man im besten Fall unten durchfahren kann, nutzen kann man die gesamte Fläche darunter nicht mehr. Wenn man etwas nutzen will, dann den Aussichtssteg (immerhin, muss mir das einmal genau anschauen).
Aber was solls, wenn es gänzlich privat finanziert ist, dann kann man diese 50 m. halt verpachten. Die Gemeinde braucht ja eh Geld.
Zusätzliche Gastronomie unter der Konstruktion, am Wasser, naja . die Gastro ist seit dem Wettbewerb eh schon auf nahezu doppelt soviel Plätze angewachsen
Dazu das Konzept der Restaurantmöblierung: Vertäfelung statt Transparenz , das wird sich dann noch durch die großen Werbeflächen Richtung Schwedenplatz verdoppeln…:(
Finanzierung meines Wissens durch Wiener Donauraum GmbH – eine Tochter der Wien Holding und Raiffeisenbank, NÖ-Wien