Die SPÖ wehrt sich gegen die 11er-Bim

23 06 2010

Utl.  Faktenverdreher unterwegs

Unterschreiben Sie für den 11er

Gestern haben wir mit unserer Kampagne für die Wiedereinführung der Straßenbahnlinie 11 gestartet. Diese soll die ständig überfüllte Buslinie 11A vom Stadion bis zum Friedrich-Engels-Platz ersetzen.

Auf diesen Vorschlag hat die SPÖ gleich mit einer 1 ½-seitigen Presseaussendung reagiert, in der sie erklärt, warum das nicht geht (so wie alles, was nicht von der SPÖ kommt…).

Die Tatsache, dass in dieser Presseaussendung der Verkehrssprecher der Wiener SPÖ und die SP-Bezirksvorsteher aus der Brigittenau und der Leopoldstadt zu Wort kommen zeigt, dass sie den Vorschlag als für sich sehr gefährlich betrachten.

Und nun ein paar Anmerkungen zur SP-Presseaussendung

1)      Herr Hora erklärt: „Wahr ist, dass der Autoverkehr seit 1993 um ein Fünftel zurückgegangen ist.“
Wo? In Wien? Hier ist offenbar ein Meister der Halbwahrheiten unterwegs. Zwischen 1993 und 2006 ist der Anteil des Autoverkehrs in Wien in Relation der einzelnen Verkehrsarten (modal split) von 40% auf 34% gesunken. Das stimmt, das ist eine Reduktion um 15% oder ein Siebentel. Aber das ist eben nur relativ betrachtet. Absolut steigt der Autoverkehr in Wien weiterhin. „Die Kfz-Fahrleistung ist in Wien von 2000 auf 2005 leicht gestiegen (+ 4 %). Die Pkw-Fahrleistung der WienerInnen stieg um 1,4 %, die der Nicht-WienerInnen um 16,9 %.“ (Quelle: Socialdata (2007): Evaluierung Masterplan Verkehr Wien)

Viele Leute haben bei unserem ersten Infostand schon für den 11er unterschrieben

2)      BV Kubik und Derfler führen Baumfällungen und Parkplatzverlust als Argumente gegen den 11er an, wenn die Bim einen eigenen Gleiskörper bekommen soll.
Wer bitte, sagt denn, dass die Bim auf der gesamten Strecke einen eigenen Gleiskörper braucht? Überall geht sich sicher kein eigener Gleiskörper aus, aber es gibt in Wien genügend Straßen, in denen eine Bim ohne eigenen Gleiskörper auch flott unterwegs ist. Sicher flotter als ein Bus, der oft im Autostau steckt.
Der 11er kann also ohne Baumfällungen und Parkplatzverlust errichtet werden, da kann ich die Herren Bezirksvorsteher beruhigen.

3)      Dann erklären die Herren Kubik und Derfler: “Weiters gebe es zahlreiche ungeklärte Verkehrssituationen, über die sich die Grünen offenbar keine Gedanken gemacht haben dürften.“
Auch hier gilt: keine Angst, wir haben die Juhász & Markgraf VerkehrsConsulting OG, ein renommiertes Planungsbüro für Verkehrswesen und Betrieb, mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt, die sich mit vielen dieser Details befasst hat. Die Herren Kubik und Derfler können sich diese Studie gerne auf unserer Homepage anschauen.

4)      Alle drei SP-Politiker zweifeln an der Kostenschätzung und erklären: “In der Engerthstraße müsste ein Weg gefunden werden, um unter der Reichsbrücke durchzufahren oder eine Schleife gebaut werden. Das ist mit 27 Millionen kaum zu bewerkstelligen”.
Auch hier empfiehlt sich eine Lektüre der Machbarkeitsstudie. Die Reichsbrücke muss nicht untertunnelt werden, die Bim kann genau so fahren wie zur Zeit der 11A, nämlich über die Vorgartenstraße. Und wie das Verkehrsplanungsbüro auf die Kostenschätzung von 27 Mio. Euro kommt, können die drei Herren auch in unserer Studie nachlesen.

5)      Schließlich noch eine Aussage von Herrn Hora, die in die Kategorie Chuzpe fällt. Er beruft sich auf den Masterplan Verkehr, dem Verkehrskonzept der Stadt Wien und erklärt: „Darin ist eine neue Straßenbahn vom Nordbahnhof-Gelände in Richtung Friedrich Engels-Platz vorgesehen. Eigentlich müsste sie das wissen.”
Ja, diese Verlängerung steht da drinnen, aber da steht sie bereits seit 7 Jahren drinnen und die Umsetzung ist auf den St. Nimmerleinstag verschoben worden.

Vor genau einem Jahr musste BV Kubik zugeben, „dass aus heutiger Sicht keine Straßenbahnlinie in das Nordbahnhofgelände geplant ist.“

Für uns bedeutet diese totale Diskussionsverweigerung der SPÖ über unseren Vorschlag jedenfalls, dass wir noch vehementer für den Vorschlag eintreten werden.
Dafür benötigen wir auch die Unterstützung der Bevölkerung und deswegen werden wir in den nächsten 2 Wochen noch fünfmal an Infoständen entlang der Trasse stehen, um die Bevölkerung zu informieren und  Unterschriften zu sammeln.

2008 fuhr ein 11er am letzten Tag des 21ers in der Engerthstraße


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6 Antworten

23 06 2010
Friedrich Hochmann

Die Qualität und Voraussicht der Verkehrsplaner Kubik, Junek, Hora zeigt sich allein schon daran, dass der unbedingt erforderliche Fußgängerübergang beim Ausgang Stella-Klein-Löw-Weg der Station Stadion der U2 mehr als zwei Jahre nach Inbetriebnahme dieses Steckenabschnitts endlich kommt und für diesen Übergang zahlreiche Bürger und die B.I. Hasndelskai bei verschiedenen Stellen interveniert haben. Weiters haben diese Herrn mit keinem Ohrwaschl gewachelt, als die zahlreichen Bürohochhäuser geplant und gebaut wurden und zu jedem dieser Bauten hinterte von Parkplätzen mitgeplant und gebaut wurden. Dass Stellplä#tze Autos anziehen, wie Motten das Licht, sollte sogar diesen Herrn bekannt sein. Auch sollten diesen Herrn bekannt sein, dass die Lärmbelastung am Handelskai jenseits von Gut und Böse und schwer gesundheitsschädlich ist. Darüberhinaus gibt es mehrere VfGH-Entscheidungen, nach denen die Interessen der Anrainer von Strassen gegenüber den Verkehrsinteressen bevorrangt werden müssen, was diesen Herrn, zumindest aber Herrn Hora, dem die entsprechenden Entscheidungen bekannt gegeben wurden, bekant sein, was sie abernicht daran hindert stets im Sinne der Verkehrsinteressen vorzugehen. DEmgegenüber war die Verarsche des VfGH durch J. Haider selig, ja noch ein Lercherschass. Dazu kommt die sehr entlarvende Aussage von BV Kubik, dass ja eh alle mit der U-Bahnkommen werden. Nur warum konnte man dann die Vorgartenstraße als Fußgänger kaum überqueren. Sind an diesem Umstand vielleicht imaginäre Autos Schuld? Noch ein kleiner Vorschlag zur Fionanzierung des 11ers. Wenn man auf die unnötige 5. Spur des Handelskais beim Marathonweg verzichtet, hat schon mehr als 10% der Kosten des 11ers herinnen.

23 06 2010
Friedrich Hochmann

Zur diskussionsverweigern der SPÖ ist zu sagen, dass diese nicht überraschend kommt. Herr BV Kubik liebt es sonst ja auch nicht mit dem gemeinen Volk zu sprechen und wenn es unbedingt sein muss, meist aufgrund eines Beschlusses zur Abhaltung einer Bürgerversammlung, so beschränkt sich die Diskussion auf die Mitteilung, was gemacht wird, dann kann das volk 1,5 bis 2 Stunden lang motschkern und dann heißt es wir machen es wie geplant. Das ganze nennt sich Bürgerbeteilig à la SPÖ.

25 06 2010
roman

danke für die arbeit – und für den versuch das seriös zu unterlegen. mir als stadtplaner wären eine straßenbahn durch den nordbahnhof und auch der 11er ein großes anliegen.

und das sage ich obwohl mich der lärm sicher unmittelbar betreffen würde.

allerdings wird es das nie spielen fürchte ich. ausserhalb vom 22. bezirk wird wohl kein meter neubaulinie unter dieser stadregierung mehr eröffnet werden…

25 06 2010
wolfgangkamptner

Na dann…
Dann brauchen wir eben eine andere Stadtregierung, nicht mehr nur einfärbig rot, sondern mit Grüner Beteiligung ;-)

30 06 2011
Gerhard

ich wärme das thema betreffend dieser stassenbahnlinie wieder auf.
ist es wirklich im sinne der grünen, wenn als opfer für diese strassenbahn unzählige bäume entlang der engerthstrasse geopfert werden müssten??
beim besten willen kann ich nicht vorstellen, dass sich dieses projekt ohne rodung dieser bäume vonstatten gehen könnte. als direkt betroffener würde mir die baustelle für die errichtung, als auch dann der strassenbahnlärm während der betriebes auch nicht sonderlich gefallen.

das mit den bäumen war nur so ein gedanke von mir….. ;-)

30 06 2011
wolfgangkamptner

Hier gibt es widersprüchliche Meinungen über die Anzahl der Bäume. Angeblich haben die Wiener Linien nun eine Lösung gefunden, bei der nur ganz wenige Bäume weg müssten. Aber die Geheimniskrämerei ist immer noch groß. Jedenfalls sind es sicher nicht „unzählige“ Bäume, aber das genaue Projekt habe ich noch immer nicht gesehen.

Und zum Lärm ist zu sagen, dass die neuen Straßenbahnen um bis zu 10 Dezibel leiser sind als die Busse der Wiener Linien.

Wir arbeiten jedenfalls daran, dass die Straßenbahnlinie durch das Nordbahnhofviertel (Verlängerung der Linie O) bis zum Fr. Engelsplatz in den nächsten Jahren verwirklicht wird.

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