Gefährliche Gehsteigradwege in der Leopoldstadt werden mehr!

30 05 2010

In der Wehlistraße entsteht ein weiterer Gehsteigradweg

Zum bisher größten Ärgernis der FussgängerInnen gehören die langen “ROT-Ampelphasen” bei Kreuzungen, und nun kommt immer mehr ein weiteres  Ärgernis hinzu:  – GEHSTEIGRADWEGEdamit werden die RadfahrerInnen von den Straßen verbannt werden, und auf den Gehsteigen gegen die FussgängerInnen ausgespielt.

Die Radwegebenützungpflicht macht dies möglich und diskriminiert nicht nur die RadfahrerInnen, die Ihr Rad als Verkehrsmittel benutzen, sondern auch die, die schnell und sportlich unterwegs sein wollen – und sie erzeugt unlösbare Konflikte zwischen den schwächsten VerkehrsteilneherInnen.
So entsteht in der Leopoldstadt ein sinnloser Gehsteigradweg nach dem anderen. Weitere Bilder folgen.

Wurden bisher die Leopoldstädter “Autobahnen” mit Gehsteigradwegen (z.B. Praterstern, Lassalle-, Prater- Nordbahn-, Franzensbrücken-, Obere- und Untere Donaustraße u.s.w.) versehen, was die KFZ-Geschwindigkeiten auf den Fahrbahnen nachweislich erhöht, werden nun auch in verkehrsberuhigten Straßen mehr und mehr Gehsteigradwege errichtet.

So werden zurzeit die gesamte Wehlistraße und die Engerthstraße (beides nur Anwohnerstraßen) mit Gehsteigradwegen ausgerüstet.

Statt vernünftige Fahrstreifen auf der Fahrbahn, die wesentlich günstiger kommen, hält man an der  gefährlichen Gehsteigradwegen fest, die nicht nur eine grosse Belästigung und Gefahr für FussgängerInnen darstellen, sondern auch RadfahrerInnen, vor allem durch abbiegenden Autos massiv gefährdet.

Die Details: Die Wehlistraße, sowie die Engerthstraße werden mit je einem Ein-Richtungs-Radweg ausgestattet.

Unfall am Radweg Ausstellungsstraße

Somit haben die AutofahrerInnen, wie schon jetzt in der neuen Ausstellungsstraße, eine freie und schnelle Fahrt und brauchen mit keinen Behinderungen durch die RadfahrerInnen mehr zu rechnen. Wie das rechte Bild zeigt, ereignen sich am Radweg Ausstellungsstrasse laufend Unfälle, z.B. beim Links-Abbiegen in die Wolfgang-Schmälzlgasse. Hier muss der Radweg irgendwie verlassen werden, und von ganz rechts nach ganz links die Fahrbahn überquert werden – wie das genau passieren soll, hat sich wohl niemand so recht überlegt – vor allem schwächere RadfahrerInnen kommen unter die Räder.

Fazit: - keine Gehsteigradwege im dichtverbauten Gebiet, Gehsteige für die FussgängerInnen – ein Fahrrad ist ein Fahrzeug und gehört auf die Fahrbahn. Das erhöht nachweislich die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer – also auch für die Autofahrer.

Die Leopoldstadt darf nicht zum Autoraser-Paradies werden, denn für die SPÖ sind RadfahrerInnen nur Freizeit und Sportradler. Für die ÖVP und der FPÖ bleiben die RadfahrerInnen sowieso Pedalritter, die nur den Autoverkehr behindern: Konsequenterweise werden von diesen Parteien überhaupt alle Massnahmen zur Förderung des Radverkehrs abgelehnt.

Für uns liegt der Wert des Radfahrens vor allem in der Alltagsmobilität, und dementsprechend fordern wir hier endlich ein Umdenken: Für eine alltagsgerechte Förderung des Radverkehrs, vor allem durch den Bau von Abstellanlagen, Verkehrsberuhigung auf den Fahrbahnen, und dem Ende des Radwegebaus (Radweg = “Rad weg”) a la SPÖ.

Robert


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9 Antworten

31 05 2010
Meta

Also ich fahr zwar schon seit einiger Zeit (~10J) nicht mehr so aktiv Rad, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ein abgetrennter Radweg die Sicherheit des Radfahrers senkt. Im Gegenteil. Auf Strassen wie Ring, Prater- oder Lassallestrasse würde ich zB nicht ohne getrenntem Radweg fahren wollen. Das mit dem Linksabbiegen sehe ich jetzt nicht so als extremes Problem.
Falls damit gemeint ist dass der Radfahrer Linksabbiegen möchte, so würde es meiner Meinung nach gehören, dass er nicht einfach “umspurt”, sondern bis zur Quergasse fährt, und dann dort ähnlich dem Querverkehr über die Strasse fährt. (Klar geht das vielleicht nicht so schnell, aber wer bei der Sicherheit spart, ist mMn selber schuld.)
Falls damit Linksabbiegende Autos gemeint sind, die bei der Einfahrt in die Quergasse halt auch den Radwegübergang passieren, bin ich der Meinung dass auch Radfahrer “auf Sicht” fahren müssen.

Soll heissen ich bin eindeutig für abgetrennte Radwege auf stärker befahrenen Strassen. Ebenso bin ich aber auch dafür, die dadurch erhöhte Geschwindigkeit der Autos durch andere Verkehrsberuhigende Massnahmen wieder zu drücken. Ausserdem sollte der Bau des abgetrennten Radweges nicht auf Kosten des Grünzeugs oder des Gehsteiges gehen.

5 06 2010
wolfgangkamptner

Ring, Prater- oder Lassallestrasse sind mehrspurige Straßen von übergeordneter Bedeutung. Die Wehli- und Engerthstraße sind aber nur Anliegerstraßen mit max. 1 Fahrspur/Richtung. Hier sind eigene Radwege am Gehsteig unnötig und in den Kreuzungsbereichen sicher gefährlicher als Radstreifen. Auf diesen Gehsteigradwegen ist man die meiste Zeit für den Autofahrer hinter den parkenden Autos schlecht sichtbar und taucht dann meistens überraschend für den Autofahrer kurz vor der Kreuzung wieder auf. Deshalb sind diese Gehsteigradwege auch so gefährlich.

Und dass Sie indirektes Linksabbiegen mit Absteigen empfehlen, kann doch nur ein Scherz sein. Radfahrer sind ja keine VerkehrsteilnehmerInnen 2. Klasse.

1 06 2010
Markus

Vom KFZ-Verkehr baulich getrennte Radwege sind nur akzeptabel, wenn sie erstens einen Mindeststandard haben, was Kurven, Breite usw. angeht, und zweitens nur, wenn sie über eine längere Strecke (mindestens einige 100 m) kreuzungsfrei verlaufen. Auf den typischen “Gehsteigradwegen”, die hier angeprangert werden, ergeben sich aber ständige Gefahrenstellen an den Kreuzungen (besonders, wenn noch eine Parkspur dazwischen ist, oder die Sicht durch irgendwas verstellt), bei (ausreichend breiten!) Fahrstreifen auf der Fahrbahn aber nicht so sehr.

Diese Radwege mögen vielleicht für Kinder unter 12 in Begleitung ihrer Eltern interessant sein, aber sonst für niemand. Gehsteig-Radwege in Nebenstraße (ohnehin meist 30er-Zone), die auch noch einen schmalen Rest-Gehsteig zur Folge haben, sollten am besten ersatzlos aufgelassen werden – und mit einer Radrouten-Beschilderung können dann immer noch SPÖ-Radwegkilometer erzielt werden.

Ist eigentlich noch die Rede davon, dass die Stadt Wien die Benützungspflicht streichen lassen will (z.B. zumindest im Ortsgebiet), oder wurde das ohnehin fallen gelassen?

5 06 2010
wolfgangkamptner

Jein. Die Stadt Wien kann das nicht selber machen, weil das eine Bestimmung aus der StVO ist. Nach meinen Informationen arbeitet gerade eine Arbeitsgruppe im Verkehrsministerium an einer Novelle der StVO. Dabei soll es auch zu einer Änderung der Radwegebenützungspflicht kommen. Allerdings so wie’s derzeit aussieht zu keiner völligen Streichung der Pflicht kommen, sondern nur zu einer verwässerten. Und selbst das glaub ich erst, wenn’s so weit ist.

10 06 2010
Walther Weihrauch

Der Radweg hat eine interessante Geschichte: Erfunden wurde er von den Nazis, die auf “Weisung des Führers” (Hitler war ein Auto-Narr) die “Volksmotorisierung” – zB mit dem “KdF-Wagen” (später “Volkswagen”, heute “VW”) – vorantreiben wollten. Seit der Nazi-StVO von 1934 ist die Verteilung der Verkehrsteilnehmer auf Gehwege, Radwege, Gleistrassen und Autofahrbahnen die Grundlage der Straßenplanung – mit dem erklärten Ziel, den Autoverkehr zu beschleunigen. Die Nazis haben die “autogerechte Stadt” politisch und rechtlich vorbereitet, und die multinationalen Auto- und Öl-Konzerne vollenden sie seit den 1960ern mit Hilfe der “Autisten” von SPÖVPFPÖ. Ich wünsche mir einen Verkehr wie zB in Amsterdam: Dort beherrschen Fußgänger, Straßenbahnen und Fahrräder die Stadt, weil sich alle Verkehrsteilnehmer die Straße teilen müssen…

10 06 2010
Friedrich Hochmann

Gehsteigradwege stellen nicht nur per se eine erhebliche Gefahr dar, sie führen auch zu einer Verwilderung der Sitten und damit dazu, dass sich Radfahrer angewöhnen auf Gehwegen zu fahren, auch wenn auf diesen kein Radweg “aufgemalt” ist. Dies auch in nur wenig befahrenen Strassenzügen, wo ein Radfahrer ruhig auf der Fahrbahn fahren könnte, ohne gefährdet zu sein.

15 06 2010
wolfgangkamptner

Das ist leider völlig richtig.
Ich verstehe die RadlerInnen auch nicht, die am Gehsteig fahren, weil das natürlich unheimlich gefährlich ist, weil jederzeit ein Fußgänger aus einem Haustor treten kann.

Aber leider hat die Wiener Unsitte, dass immer noch Radwege auf Gehsteigen gebaut werden natürlich den Effekt, dass RadlerInnen es für normal halten, auf dem Gehsteig zu fahren – einerlei, ob dieser Gehsteig zweigeteilt ist oder nicht. Deshalb sollten bis auf ganz wenige Ausnahmen nur mehr Radverkehrsanlagen auf der Fahrbahn angelegt werden.

2 07 2010
Robert

Gehsteigradweg – NEU – Wehlistraße – und schon werden RadfahrerInnen massiv behindert!

Hier der link zum BILD!

7 09 2011
Anonymous

bin selber rad- UND autofahrer. leider sehe ich immer und immer wieder, dass radfahrer totale ignoranten sind und NIE den radstreifen benützen !!! z.b. engerthstraße. die GAAANZE engerthstraße entlang gibt es einen radweg. aber nein – die radfahrer müssen MITTEN auf der fahrbahn fahren und würden nicht mal rechts ran fahren, damit man den erforderlichen abstand beim übholen hat. auch wenn es einen radstreifen auf der fahrbahn gibt – partout fahren sie NEBEN dem radweg !!! auch bei kreuzungen ohne ampeln glauben die radfahrer sie können plötzlich aus dem nichts mit 20kmh über die kreuzung fahren – also SO ist das auch nicht gedacht, dass NUR der radfahrer vorrang und narrenfreiheit hat !!! auch der radfahrer hat sich bei einer ungeregelten kreuzung einzubremsen !
als radfahrer habe ich oft bemerkt, dass autofahrer beim anfahren an eine kreuzung, OBWOHL dick markierter radweg zu sehen ist, nicht langsamer werden bzw. beim einbiegen, überhaupt nicht stehenbleiben und schauen, ob ein radfahrer kommt !!!!
ich finde es gehören BEIDE seiten dementsprechend gestraft ! AUCH die radfahrer, die den radweg nicht benützen, obwohl einer da ist !!!!

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