Kein Schleichweg durch den Prater!

22 04 2010

Zuerst etwas „Zeitgeschichte“:

Im Mai 1998 sollte der Straßenzug Meiereistraße/Stadionallee bereits für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden. Also auch unter der Woche, analog zur derzeitigen Regelung am Wochenende. Busse und Taxis dürfen fahren. Die Schilder waren bereits aufgestellt, aber noch verhüllt.

Diese gefährliche Kreuzung muss endlich entschärft werden!

Doch das verhinderte eine konzertierte Aktion der ÖVP mit der Kronenzeitung. Ex-Verkehrsstadtrat Svihalek fiel das Herz in die Hose und er blies die Sperre ab.

Im Jahr 2000 stellten wir den ersten Antrag, dass diese Sperre für den MIV doch eingeführt werden sollte. Dieser Antrag verschwand in der ominösen Evidenzmappe vom Herrn Junek, dem SP-Vorsitzenden der Verkehrskommission. 2005 stellten wir den nächsten diesbezüglichen Antrag. Nun erklärten Hr. Junek und der Vertreter der MA46, dass zuerst eine Untersuchung klären müsste, ob die parallel führende, 8-spurige Südosttangente den zusätzlichen Autoverkehr von ein paar Tausend Autos täglich aufnehmen kann, ohne dass der Verkehr dort zusammenbricht. Wir hielten dies damals bereits für einen schlechten Scherz, doch stimmten wir der Zählung zu, damit der Antrag nicht sofort von der SPÖ-Mehrheit abgelehnt wird. Darauf folgten einige weitere Sitzungen, in denen entweder die Jahreszeit nicht passte oder der MA46-Vertreter einfach noch nicht dazugekommen war. Danach verschwand auch dieser Antrag in Juneks Evidenzmappe.

Nachdem sich im Herbst letzten Jahres wieder ein schwerer Unfall an der Kreuzung Hauptallee/Meiereistraße ereignete, bei dem ein Auto eine Joggerin niederstieß und schwer verletzte, brachten wir den Antrag Nr. 3 ein. Auf Grund der parallelen Medienberichte konnte die SPÖ den Antrag nicht so einfach niederstimmen und stimmte daher zu, unsere beiden alten Anträge wieder auf die Tagesordnung der Verkehrskommission zu nehmen.


Am vergangenen Dienstag fand nun diese Sitzung statt.
Sie begann mit der Präsentation der Unfallstatistik 2008 für die Leopoldstadt. Und siehe da, die Kreuzung Hauptallee/Meiereistraße war die gefährlichste Kreuzung mit 5 Unfällen mit Personenschaden. Fünf Unfälle zwischen Pkws und FußgängerInnen bzw. RadfahrerInnen.

Und dann kam unser Antrag mit der Sperre an die Reihe. Was jetzt folgte, war schlimmer als jede Folge des Kaisermühlen Blues.

Zuerst erklärte der MA46-Vertreter, dass sie eine Kurzzeitzählung (was ist das?) durchgeführt hatten und dass der Verkehr in der Meiereistraße nicht mehr geworden war. Wir bezeichneten dies als Themaverfehlung, weil es ja um die Auswirkungen der Sperre auf die A23 gehen sollte. Er erklärte daraufhin, dass das die MA46 nicht berechnen kann, weil ja die Auswirkungen auf das gesamte Verkehrssystem in der Leopoldstadt berechnet werden müsste und dafür ein externer Verkehrsplaner beauftragt werden müsste. Und das koste wohl 5.000 Euro aufwärts. In unseren Augen wäre eine solche Untersuchung völlig unnötig, weil man ja nur die Zusatzbelastung der A23 berechnen müsste, deshalb waren wir klarerweise auch gegen die Vergabe einer umfassenden Untersuchung.

Und nun packte Hr. Junek seinen Taschenspielertrick aus und fragte, wer dafür sei, dass 5.000 Euro für diese Untersuchung bezahlt werden sollte. Klarerweise war niemand dafür. Daraufhin erklärte er, dass der Antrag damit abgelehnt war und wollte zum nächsten Tagesordnungspunkt weitergehen. Natürlich protestierten wir, weil wir ja nur über die Freigabe des Geldes abgestimmt hatten und nicht über den Antrag selbst, doch Junek erklärte nur: „Den Vorsitz hier hob I”. Und aus. Roma locuta – Causa finita.

Formale Spitzfindigkeiten hin oder her, das ist ziemlich egal. Klar ist nur, dass die SPÖ weder Lösungen für dieses Problem anzubieten hat, noch an einer Lösung für das Problem interessiert ist.

Der Autoverkehr hat Vorrang

Es bleibt also alles beim Alten. Weiterhin wird es an dieser Kreuzung täglich zu Konflikten zwischen Erholungssuchenden und AutofahrerInnen kommen. Und vermutlich zu weiteren Unfällen. Übrigens war es ja nicht einmal möglich, den Vorrang umzudrehen und die Hauptallee zu bevorrangen, weil das wieder die Wiener Linien wegen den Bussen abgelehnt haben (den Antrag haben wir im letzten Jahrzehnt ja auch irgendwann gestellt…).

Und warum? Vielleicht weil das von der SPÖ heftig beworbene Einkaufszentrum Stadioncenter um einen attraktiven Schleichweg für seine Kunden fürchtet, wie Adi vermutet?

Wie auch immer, wir können hier versprechen, dass wir weiterhin an einer Sperre des Auto-Schleichwegs durch das Landschaftsschutzgebiet Prater arbeiten werden. Für uns Grüne ist ein sicherer Erholungsraum für Menschen wesentlich wichtiger als ein Auto-Schleichweg.

Hier lassen wir sicher nicht locker.

Wolfgang


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3 Antworten

22 04 2010
Friedrich Hochmann

Falls, was ja leider tatsächlich der Fall sein dürfte, die MA46 bzw. von Schicker abwärts bis zum unsäglichen Junek alle lediglich Autos sehen und daher der besten Lösung des Problems der Kreuzung Meiereistrasse-Hauptallee, die MIV-Sperre der Stadionallee ablehned gegenüberstehen, so sollte doch versucht werden im Strassenzug Meiereistrasse ab Vorgartenstrasse bis Stadionallee bis Donaukanal-Begleitstrasse Tempo 30 zu verhängen und auch zu kontrollieren.

23 04 2010
Robert

S.g. Herr Hochmann,

Tempo 30? da sagen ja die Wiener Linien wieder NEIN. Da fährt ja der 77A und noch bis am 1.10.2010, der 84A.
Die Busspur in der Meiereistraße fördert ausserdem das Rasen und das Überholen direkt auf der Kreuzung

20 05 2010
Friedrich Hochmann

Es wäre zwar Neuland, aber es sollte doch möglich sein, die Busspur von Tempeo 30 auszunehmen. Außerdem sollen sich die Wr. Linien einmal ausrechnen, um wieviele Sekunden sich die Fahrzeit durch Tempo 30 erhöhen würde. Der Einfluss der GEschwidigkeit auf die Fahrzeit der Busse ist relativ gering. Wesentlicher für die Fahrzeit sind die Haltestellenabstände und Fahrgast-Wechselzeiten.

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