Im Augarten fielen heute am Spitz die schönen alten Bäume. Sie waren Teil der „grünen Lunge“ mitten in einer sonst nicht so gesunden Umgebung. Denn in der Taborstrasse, keine hundert Meter weit entfernt, werden seit Jahren die höchsten Feinstaubwerte Wiens gemessen (kann man hier nachlesen). Seit Jahresbeginn hatte unser Bezirk schon mehr Feinstaubalarmtage als in einem ganzen Jahr erlaubt wären, kein Scherz: wir bekommen den Umweltgift-Oscar.
Wir haben heute versucht, den sonst eher im umweltpolitischen Dornröschenschlaf dümpelnden Umweltausschuss aufzurütteln und für diese Gefahr zu sensibilisieren.
Feinstaub ensteht durch den Autoverkehr, den Rollsplit, die Baustellen, das Heizen und ist als menschengemachtes Umweltgift schon reduzierbar. Nur interessiert das offenbar nur eine Umweltpartei wie uns. Die Leidtragenden sind vor allem Kinder und ältere Menschen, das geht von massiven Atemwegsbeschwerden bis zum Tod.
Ich kann nicht glauben, dass die Stadt da so versagt. Freilich geht der böse Feinstaub, den man ja mit freiem Auge nicht sieht, nicht in ein Gackerlsackerl, da brauchts schon mutigere Maßnahmen. Keine Rodungen mehr, weniger Rollsplit, weniger Autoverkehr, umweltfreundliche Baustellen: so hätten wir auch weniger Asthmakranke, Lungenkrebs, Todesfälle. Womit wir wieder beim Augartenspitz wären, wo sich die Stadt wieder die gleichen dummen Fehler macht: Bäume futsch, Luftqualität mieser, dafür mehr Verkehr (diesmal: Busse). Bravo!
Übrigens nickten heute nachmittag die ungrünen BezirkspolitikerInnen das nächste Rodungsprojekt im Bezirk ab. Im Umweltausschuss versteht sich.
Jutta


Der Feinstaub interessiert die Wr. Stadtpolitiker, insbesondere jene der SPÖ in keinster Weise; Herr Bgm. Häupl hat sich ohnehin vor seinen Wohnzimmerfenstern die größte Tempo 30 Zone errichten lassen um vor Verkehrslärm und Stub geschützt zu sein. Es interessieren aber auch Gesetze die verantwortlichen Wr. Stadtpolitiker nicht sehr, sonst könnte es nicht Strassen geben mit Dauerschallpegeln im eindeutig schwer gesundheitsschädlichen Bereich, ohne, dass die zuständige MA 46, wie das Gesetz (StVO §43 Abs. 2) es befiehlt verkehrsbeschränkende Maßnahmen verhängt. Sie begründet dies damit, dass sie angeblich eine Interessensabwägung vornehmen muss, bei der leider leider immer die die Verkehrsinteressen gewinnen. Blöd nur, dass weder in der StVO, noch im übergeordneten Allgemeinen Verwaltungsgesetz eine derartige Interessensabwägung vorgeschrieben ist und eine solche nur vorgenommen werden darf, wenn das entsprechende Materiengesetz, wie die StVO eine solche vorsieht. Noch blöder für die MA46 und dem politisch verantwortlichen Stadtrat D.I. Schicker ist aber der Umstand, dass es VfGH Entscheidungen gibt, wie die VfGH Entscheidungen B123/90, B426/90 (8. Okt. 90), B778/86 800-802/86 (9. 0kt. 87), die alle den Vorrang der Interessen der Anrainer vor Verkehrsinteressen festlegen, insbesondere aber auch B931/93-12 (24. Juni 1994) (Salzburger Busfahrverbot), welche Entscheidung festlegt, dass auch geringe Verbesserungen für die Anrainer verkehrsbeschränkende Maßnahmen rechtfertigen. Die Wr. SPÖ Politiker haben sich sehr über den Umgang von Jörg Haider mit VfGH Entscheidungen (Ortstafel) aufgeregt und diesen vehement kritisiert. Nur verhalten sich die verantwortlichen Wr. SPÖ Politiker anders?
Schon 36 Überschreitungen
Am Freitag gab es – trotz sehr windigem Wetter – die 36. Überschreitung des Jahresgrenzwertes 2010 an der Messstelle Taborstraße. Laut EU-Richtlinie sind 35 Überschreitungen pro Jahr erlaubt (laut dem strengerem österreichischen IG-L (Immissionsschutzgesetz-Luft sogar nur 25). Wird dieser Wert überschritten, sind die zuständigen Behörden verpflichtet mit kurz- und mittelfristigen Maßnahmenplänen gegenzusteuern.
Bereits 2005 hat Umweltstadträtin Sima einen 45-Punkte Maßnahmenkatalog vorgelegt. Bereits damals haben sowohl wir Grüne als auch Umweltorganisationen kritisiert, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind, vor allem im Verkehrsbereich. Da sich die Feinstaub-Situation in Wien seither kaum gebessert hat, sieht man leider, dass wir recht gehabt haben.
Die Entwicklung der aktuellen Feinstaub-Werte in Wien kann man übrigens am besten auf der UBA-Seite verfolgen.
Am letzten Di., 23.3. wurde in der Taborstraße bereits der 37. Überschreitungstag gemessen.
Trotz Winterende:
Am Freitag, 23.4. wurde in der Taborstraße bereits der 38. Überschreitungstag gemessen.