Vorrang bei Ampeln für die FußgängerInnen

27 11 2009

Grüne Verkehrspolitik

SPÖ-Verkehrspolitik

Im Verkehrskonzept der Stadt Wien, dem Masterplan Verkehr 2003 werden den FußgängerInnen die höchste Priorität eingeräumt. Wenn man sich einige Ampelschaltungen in der Leopoldstadt genauer anschaut, wird klar, dass dies oft nur eine leere Versprechung ist.

In der Bezirkszeitung hat es dazu in letzter Zeit einige Artikel gegeben, die sich mit diesem Problem näher beschäftigen.

Wir haben bereits alle diese Ampeln in der Bezirksvertretung bzw. in der Verkehrskommission thematisiert. Im Großen und Ganzen hat sich nicht viel verbessert, von kleinen Änderungen abgesehen.

Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass 1. die SPÖ Leopoldstadt (die ÖVP und die FPÖ genauso, aber auf Grund ihrer de facto absoluten Mandatsmehrheit entscheidet nun einmal die SPÖ alleine) dem Autoverkehr die oberste Priorität einräumt.

Und 2. sind die Umlaufzeiten in Wien viel zu lange (bis zu 120 Sekunden). Als Umlaufzeit bezeichnet man die Zeit vom Beginn einer Ampelphase bis zum nächsten Beginn der gleichen Phase (z.B. vom Grünwerden für die FußgängerInnen bis zum nächsten Grünwerden). Es ist zwar auch ungut, dass die Grünzeiten für FußgängerInnen ziemlich kurz sind, doch relevanter ist die lange Wartezeit bis zum Beginn der nächsten Grünphase.

1) Ampel Obere Augartenstraße/Taborstraße: Über diese unmögliche Ampelschaltung hat die Bezirkszeitung bereits im April berichtet und auch der Blog2.

Seither gab es auf Grund eines Grünen Antrags eine Information der MA33 („Wien leuchtet“). Es wurde uns erklärt, dass es im Sommer zu einer Änderung der Schaltung gekommen ist. Wenn die Straßenbahnlinie 2 in Richtung Schwedenplatz einfährt, bekommt sie und der parallelfahrende motorisierte Individualverkehr in der Hauptverkehrszeit rot, damit die Fahrgäste, die vom Schöps und der Blumauergasse auf die Haltestelleninsel zur Tram gehen wollen, Grün bekommen. Wir haben uns das angeschaut und beobachtet, dass das nicht immer stimmt.
Wir wären über Erfahrungsberichte zu dieser Ampel von Euch sehr dankbar, weil wir natürlich auch nicht immer bei dieser Ampel stehen können und uns die Ampelschaltungsdiagramme nicht zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem sind durch diese kleine Änderung 2 weitere Probleme weiterhin ungelöst.
- FußgängerInnen, die die Taborstraße queren wollen, haben – wenn keine Tram kommt sowie zwischen Spar und Bawag – ganz lange rot (bis zu über 2 Minuten).
- FußgängerInnen, die von der U2-Station über die Obere Augartenstraße zum Schöps gehen wollen, haben nur 20 Sek. Grün (bis zu über 2 Minuten Rot), während der parallel fahrende Autoverkehr in der Taborstraße 73-123 Sek. Grün hat. Deshalb gibt es hier sehr viele Rotgeher und gefährliche Situationen.

Kritik an den Ampeln in der Bezirkszeitung

2) Ampel Heinestraße/Taborstraße: Diese Ampel haben LeserInnen der Bezirkszeitung diese Woche kritisiert. Hier haben wir in der Verkehrskommission von der MA33 folgende Auskunft bekommen:
Es gab auch hier auf Grund unseres Antrags Änderungen. Wenn die Tram von Am Tabor kommt, meldet sie sich an und unterdrückt dadurch das Grün des MIVs von der Heinestraße in die Taborstraße. Dadurch hat die Tram früher Grün.
Das ist zwar positiv, um den öffentlichen Verkehr zu beschleunigen, hilft aber den FußgängerInnen wenig. Hier wäre es notwendig, die Umlaufzeiten zu verkürzen.

3) Ampel Nordbahnstraße/Kl. Stadtgutgasse: Diese Ampel wurde in der vorhergehenden Ausgabe der Bezirkszeitung kritisiert. Wir haben sie in der Verkehrskommission vom Juni 2009 thematisiert. Vor allem deswegen, weil es immer wieder vorkommt, dass RadfahrerInnen, die den wichtigen Radweg über die Nordbahnstraße fahren wollen nicht Grün bekommen, weil dies eine Bedarfsampel ist und die automatische Erkennung sie wegen der Baustelle nicht immer erkennt.
Das soll nun verbessert worden sein (Frage an die täglichen BenutzerInnen dieser Kreuzung unter euch: Stimmt das?), aber es bleibt immer noch eine viel zu kurze Grünphase, wie auch der Vertreter der MA33 im bz-Artikel eingesteht.
Dieser vertröstet aber auf die Zeit nach den Bauarbeiten für das ÖBB-Bürohaus am Praterstern. Das kann aber noch ein bis zwei Jahre dauern und ist daher für uns inakzeptabel. Natürlich könnte man die Ampelschaltung auch provisorisch ändern, mit längeren Grünzeiten für die FußgängerInnen. Auch wenn diese 5 Sekunden auf Kosten des Autoverkehrs gingen. Womit wir aber wieder bei der realen Prioritätensetzung der SPÖ Leopoldstadt wären (motorisierter Individualverkehr oder FußgängerInnen).

Hält den Bus auf und ist nicht wirklich nötig

4) Und schließlich noch das Prunkstück der neuzeitlichen Ampelbautechnik.
Die völlig überdimensionierte Ampel Heinestraße/Kl. Stadtgutgasse. Auch diese Ampel hat es bereits in die Bezirkszeitung geschafft.

Ich habe nun Bezirksvorsteher Kubik gefragt, auf Grund welcher verkehrstechnischer Parameter es an dieser Kreuzung überhaupt eine Ampel braucht und ob der Verkehr überhaupt gezählt wurde.
Antwort: Weil es auch schon vor dem U-Bahnbau dort eine Ampel gegeben hat und nein, es hat keine Verkehrszählungen gegeben.

Deshalb haben wir nun in der Sitzung vom November 2009 beantragt, dass die Zweckmäßigkeit dieser Ampel von der Behörde überprüft werden soll. Doch nicht einmal dieser Überprüfung haben SPÖ und ÖVP zugestimmt.

Ampelschaltungen sind wichtige Werkzeuge zur Umsetzung der Prioritätensetzung in der Verkehrspolitik. In der Leopoldstadt liegen die Vorstellungen von Grünen und der SPÖ dabei meilenweit auseinander.

Im Übrigen bin ich der Meinung:
Wer Grüne Verkehrspolitik will, muss auch Grün wählen.


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3 Antworten

2 12 2009
markusurban

Danke, dass hier einmal die Tatsache aufgezeigt wurde, dass manche Ampeln nicht nur schlecht geschalten, sondern überhaupt komplett kontraproduktiv und unnötig sind. Vermutungen, was der wahre Grund für die Installation dieser Anlagen ist, darf man wohl nicht laut sagen, er wird aber ansatzweise angedeutet.

3 12 2009
martinko

120s Umlaufzeiten sind sogar in Wien eher selten – obwohl es durchaus Ampeln gibt, die sogar darüber noch wesentlich hinausgehen – aber 100s sind die Regel und das ist viel zu lang für die oft beschworene „Stadt der kurzen Wege“.

Kurze Umlaufzeiten (60-80 Sekunden) sind immer gut für die Nichtmotorisierten und den ÖV, lange Umlaufzeiten bevorzugen tendenziell den MIV – beim Autofahren ist das Warten eher nebensächlich, man sitzt im Warmen und kann essen oder telefonieren.

Wer glaubt dass die 20-40s Unterschied egal sind, ist eingeladen, sich vor Augen zu führen, dass das fast immer gleich 20-40 Sekunden mehr Wartezeit für Nichtmotorisierte bedeutet, die dabei immer Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Zusätzlich erzeugen die langen Umlaufzeiten auch hohe Spitzengeschwindigkeiten im Kreuzungsbereich, weil das Wissen um die kommende lange Wartezeit die Tendenz begünstigt, es noch „irgendwie“ mit Vollgas drüber zu schaffen.

Nicht zuletzt deshalb sehen die internen Richtlinien der MA33 Umlaufzeiten über 75s „nur in Ausnahmefällen“ vor: Da die 100s in Wien allerdings die Regel sind, ist sogesehen ganz Wien im Ausnahmezustand.

Das Ergebnis: Massenhaftes Rotgehen und Fahren von Nichtmotorisierten (klassisches Beispiel: Taborstrasse X Augartenstrasse), hohe Spitzengeschwindigkeiten und aggressive Fahrweise von motorisierten, lange Ampelaufenthalte des ÖV, zumindest wo es keine Bevorrangung gibt.

Eine echt zukunftsoriente Verkehrsvision für Wien müsste daher als eine der ersten Massnahmen mit dem Dogma der 100s-Umlaufzeit brechen.

2 06 2010
Friedrich Hochmann

In Wien sind nicht nur die Umlaufzeiten, insbesondere für die Fußgänger zu lange, sondern auch die Grünphasen für die fußgä#nger zu kurz (meist berechnet auf eine Gehgeschwindigkeit von 1,2m/sec bzw. 4,32km/h). Ein kleiner Vorschlag zur Verbesserung der Situation: DEn für diesen Schwachsinn verantwortlichen werden die Füße auf eine Schrittlänge von ca. 30 bis 40cm (entspricht der SChrittlänge betagter und leicht gehbehindeerter Personen) zusammengebunden, dazu bekommen sie ein ca. 3jähriges quengeliges Kind an eine Hand und eine Einkauftasche mit 5kg in die andere Hand. So ausgerüstet sollen sie dann schaue, wie sie in der Grünphase über die Strasse kommen. Die Grünphasen für die Fußgänger würden rasch länger werden.

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