Ausstellung zur Wehrmachtsjustiz im Theater Hamakom eröffnet

10 09 2009

3900966121_fde00d8ace_sDas Wüten der Wehrmachtsjustiz gegen Soldaten und gegen Zivilpersonen in den besetzten Gebieten blieb lange unbeachtet; die Akten der Miltärgerichte galten vielfach als nicht mehr auffindbar. Das “Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz” strebt nun eine umfassende Rehabilitierung der Opfer der NS-Miltärjustiz an, die in Österreich erst 2005 zumindest teilweise rehabilitiert worden sind.

Desertion aus den Reihen der deutschen Wehrmacht wurde auch in Österreich absurderweise als Verrat angesehen, dessen sich die Deserteure, sofern sie überlebten, zu schämen hätten. Zugleich wurde die vaterländische Pflichterfüllung im Kriegsdienst von Organisationen wie dem Österreichischen Kameradschaftsbund unterschiedslos heroisiert.
Thematisiert werden u.a. die Geschichte der Militärjustiz vor 1939, Lebenswege von Verurteilten, die Rechtsnormen der Militärjustiz, die Militärjuristen und das Ringen um Rehabilitierung bis heute.
Man nimmt an, daß etwa 15.000 Todesurteile gegen Deserteure vollstreckt wurden, von denen 1.200-1.400 Österreicher waren.

Feierliche Eröffnung am 1. September

Das Theater Hamakom war bei der Eröffnung von „Was damals Recht war” “ausverkauft”. Thomas Geldmacher vom Verein „Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer des NS-Militärjustiz“ eröffnete den Abend, Mag.a Barbara Prammer, Nationalratspräsidentin, die Ausstellung.
Weitere RednerInnen waren Amira Bibawy und Frederic Lion, DirektorInnen des Theaters Nestroyhof Hamakom, Uwe Neumärker, Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin und Richard Wadani, Ehrenobmann des Vereins »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz«, Wehrmachtsdeserteur
Am Flügel spielte Paul Gulda. Das erste Stück war die Copin Ballade Nr. 1, die im Roman Polanski-Film “Der Pianist” Władysław Szpilman dem Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld vorspielte, als er von diesem entdeckt wurde.

Fotoalbum der Eröffnung.

»Was damals Recht war …«. Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht
Eine Wanderausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, veranstaltet vom Verein »Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz« in Kooperation mit dem Verein Gedenkdienst
Theater Nestroyhof Hamakom, 1020 Wien, Nestroyplatz 1, bis 15. Oktober bei freiem Eintritt (Mo.-Fr. 10-18.00, Sa. 12-18.00).

Wir laden zur Ausstellung „Was damals Recht war …“

Die Grünen Leopoldstadt laden alle Interessierten zur Führung durch die Ausstellung mit der Politikwissenschaftlerin Janine Wulz ein:

Mittwoch, 23. September, 17 Uhr.
Treffpunkt im Theater Hamakom, Nestroyplatz 1

Wir bitten um Anmeldung unter: uschi.lichtenegger@gruene.at


Grüner Justizsprecher Albert Steinhauser fordert noch für heuer eine Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure

Die Grünen wollen erneut eine Initiative im Parlament zur Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren einbringen und hoffen noch heuer auf ein entsprechendes Gesetz. Ziel sei eine “umfassende Rehabilitierung aller NS-Justizopfer”, meinte Justizsprecher Albert Steinhauser am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Aufgrund des hohen Alters der Deserteure “haben wir nicht mehr viel Zeit.” Sein Optimismus sei jedenfalls “so groß wie nie”, sagte der Grüne Abgeordnete.
Mehr dazu von Albert Steinhauser hier.


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