Am 2. Aug. wird das von Anrainern ins Leben gerufene Projekt ARNEZHOFERSTRASSE EIN STRASSENNAME ALS MAHNMAL eröffnet. Erich Koller, der Projektinitiator und -koordinator schreibt in seinen Briefen an Vertreter der Politik: “Ich wohne in einer Straße, die bedauerlicherweise nach einem Antisemiten benannt ist.”
Johann Ignaz Arnezhofer war Pfarrer, agitatorischer Antisemit und Kommissär ,zur Ordnung der Israelitischen Angelegenheiten’. Er organisierte 1670 im Auftrag von Kaiser Leopold I die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus dem Ghetto ´Unteres Werd´ (heute Teil des 2. Wiener Gemeindebezirks).
Der Wiener Bürgermeisters Dr. Karl Lueger (1844-1910) verwendete Antisemitismus oft für seine politischen Ziele. Auf seine Veranlassung wurde 1906 die Straße nach Johann Arnezhofer benannt. Dieses geistige Umfeld erlebte Adolf Hitler, als er sich ab 1907 vergeblich um Aufnahme an der Malschule der Wiener Kunstakademie bemühte.
Das Projekt erzählt die Geschichte der Arnezhoferstraße in 4 chronologisch geordneten, fragmentarischen Abrissen. Diese Episoden werden mittels 7 an die Fassade der Liegenschaft Arnezhoferstraße 7 applizierten Tafeln erläutert. Anhand jener Tafeln unternehmen Passanten eine Zeitreise, die sie vom 17.Jahrhundert zur Gegenwart bewegen lassen.
Das Eröffnungsdatum des Projekts erinnert an die Eröffnung der Ausstellung „Der ewige Jude“ am 2. Aug.1938, ebenfalls im 2. Bezirk. Diese „politische Schau“ diente den Nationalsozialisten zur weiteren Verhetzung der Bevölkerung, bei der sie Akzeptanz für die Novemberpogrome, 9./10.Nov.1938, sowie für die Shoah schaffte.
Alle Hintergrundinfos, Details…
Eröffnung
ARNEZHOFERSTRASSE EIN STRASSENNAME ALS MAHNMAL
2. August 2009
ORT: Arnezhoferstraße 7
PROGRAMM:
19:00
Begrüßung: Erich Koller (Projektinitiator)
Ansprache: Uschi Lichtenegger (Bezirksrätin Leopoldstadt, Die GRÜNEN)
Ansprache: Karl Öllinger (Nationalratsabgeordneter, Die GRÜNEN)
Talk: Jan Tabor (Architekturtheoretiker): Was geschah mit ihnen?
Die Wiener Juden nach ihrer Vertreibung 1670 – eine symposionistische Collage
Essn: Old Bridge (Mostar Style Barbecue)
Trinkn: Lokativ www.lokativ.at
DJ Jazzed up (Susiklub)
VJ: Die Juden von Šafov (Projektion auf die Schule HS Max-Winter-Platz 2)
21:00
ORT Lokativ, Arnezhoferstraße 12, www.lokativ.at
DJ Brenda (Honolulu)
DJ giuliodj (Tempo!)
DJ Flow Job (Susiklub)
Ehrenschutz:
Raimund Fastenbauer (Generalsekretär, Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Österreich)
Uschi Lichtenegger (Bezirksrätin Leopoldstadt, Wien, Die GRÜNEN)
Karl Öllinger (Abgeordneter zum Nationalrat, Die GRÜNEN)
Josef Pröll (Finanzminister, Vizekanzler, ÖVP)
Albert Steinhauser (Abgeordneter zum Nationalrat, Die GRÜNEN)
Terezija Stoisits (Volksanwältin, Die GRÜNEN)
Links:
http://dieleopoldstadt.at/beitrag/article/1/von-johann-a.html
http://dieleopoldstadt.at/beitrag/article/1/der-umgang-d.html

Ich wohne selbst in der Arnezhoferstraße – zwar noch nicht so lange, aber doch schon eine zeitlang. Die hier veröffentlichten Informationen über den Pfarrer Arnezhofer stimmen nur bedingt. Soviel ich in Erfahrung gebracht habe, hat sich Herr Arnezhofer selbst nichts zu schulden kommen lassen. Und ihn deshalb an den Pranger zu stellen, weil er zur selben Zeit wie Kaiser Leopold I gelebt und auch (wie übrigens zu dieser Zeit eigentlich alle anderen Menschen auch) für ihn gearbeitet hat, finde ich doch ein wenig übertrieben. Das würde ja bedeuten, dass jeder, der während des 2. Weltkrieges gelebt hat, ebenfalls schuldig war oder ist! Also auch jene mutigen Mitbürger, die im Widerstand tätig waren. Ich finde eine Aktion wie diese einfach unnötig und sehr hinterfragenswert. Meine Unterstützung haben die Grünen somit leider verloren.
Danke für die Rückmeldung. – Die Judenvertreibung durch Arnezhofer ist belegt, wir können Ihnen gerne Unterlagen als pdf zukommenlassen. Die Schlußfolgerung zum Holocaust kann ich in keinster Weise nachvollziehen.
Seit vorgestern anerkennt auch die SPÖ den Antisemiten Arznezhofer und schreibt auf ihrer Seite: “Mit dieser künstlerischen und zeitgeschichtlichen Aufarbeitung soll die Geschichte des Namensgebers beleuchtet werden, der im 17. Jahrhundert maßgeblich an der Vertreibung der Leopoldstädter Juden beteiligt war.” Unwahr ist aber der weitere Satz: “Angesichts dieser unrühmlichen Geschichte wurden verschiedene Lösungen und Projekte in Betracht gezogen, wobei letztlich die Initiative “Eine Straße als Mahnmal” zum Zug gekommen ist.”
Es ist nicht die Initiative zum Zug gekommen, sondern es ist ein Projekt der BewohnerInnen, die für die Umsetzung und Finanzierung gesorgt haben. Ich weiß nicht, was die SPÖ hier schon wieder suggerieren will…
Herzlichen Dank für Ihre Antwort, obgleich mir andere Hintergrundinfos für meinen Beitrag zur Verfügung stehen. Natürlich ist mein Vergleich mit der Nazizeit und den mutigen Widerstandskämpfern sehr überspitzt. Aufgrund der oben beschriebenen Infos über Pfarrer Arnezhofer, die mir zur Verfügung stehen, glaub ich trotzdem, dass dieser Mann eher ein Menschenfreund (hat pestkranken Menschen aufopfernd geholfen, ihnen am Sterbebett beigestanden,….) war, als ein “judenvertreibendes Monster”! Eine Initiative einiger Bürger ist ja an sich positiv zu bewerten – warum fragt man nicht die betroffenen Bewohner der Arnezhoferstraße, ob eine Umbenennung erfolgen soll? Und das Ergebnis der Befragung soll man dann – egal wie es ausgeht – umsetzen. Man sollte aber auch bei einer allfälligen Umbenennung darauf hinweisen, dass dies auch für die dort ansässige Bevölkerung mit Kosten (Änderung von Visitenkarten, Änderung des Meldezettels, bei Firmen Änderungen eigentlich aller Daten außer dem Namen,…..) verbunden sein würde. Auch wäre ja dann eine Gesamtänderung aller Wiener Stradtpläne notwendig – wer würde für diese Kosten aufkommen? Eine weitere Frage in diesem Zusammenhang wäre: Wer hat dieses Straßenfest bewilligt? Oder ist für derartige Aktionen keine Bewilligung notwendig? Liebe und freundliche Grüße eines Bewohners der Arnezhoferstraße, den die Grünen (leider) als Wähler verloren hat.
Sorry, ich habe hier noch gar nicht geantwortet – obwohl sich das ja durch die anderen Beiträge nun schon ergeben hat. Zu den Kosten. – Die Dokumente bleiben gültig, ab einem Stichtag werden diese auf den neuen Namen ausgestellt. Ja es stimmt, wenn sich Firmen und auch Privatpersonen über einen längeren Zeitraum mit Drucksorten eindecken und dann aktuell sein wollen, kann es zu Kosten kommen. Allerdings ist eine Umbenennung ein längerer Prozess und sollte eine Zustimmung der Stadt Wien kommen, wird es sicher nicht von heute auf morgen sein. Hier wird sicher ein guter Kompromiss gefunden werden. – Stadtpläne, diese werden im Online-Zeitalter häufig aktualisiert, in den Stadtentwicklungsgebieten kommen laufend neue Straßenbenennungen hinzu, wie zB bei am Nordbahnhofgelände und hier können auch beide Namen angeführt werden. Die Eröffnung des Mahnmals – Straßenfest: Die Veranstaltung war bei der Bundespolizeidirektion Wien, Veranstaltungsreferat, mit einer Anzeige nach § 2 Versammlungsgesetz, angemeldet worden. Weitere Fragen – gerne! mlg