… aber nicht in Wien. – Vor wenigen Tagen erfuhren wir, dass die Wagenplatz-Leute ausgezogen sind, neue temporäre Standplätze zu suchen und dass diese in Wien 3, Baumgasse und in der Leopoldstadt, Hafenzufahrtsstraße, gefunden wurden (siehe Videobericht unten).
Vor 3 – sage und schreibe drei! – Jahren wurde erst der erste Wagenplatz in Wien gegründet. Diese Form zu wohnen ist in Deutschland oder in Amerika ja nichts Außergewöhnliches. Aber Wien ist ja anders …
Jeder sollte doch so leben können, wie er will. Und ein Wagen ist eine besondere Lebensqualität! Die Leute von den Wagenplätzen gehen wie Du und ich arbeiten, zur Ausbildung, zum Studium und treffen sich abends wieder. Hier kann gemeinsam gekocht und gegessen werden, wer mag, zieht sich zurück in seinen Wagen. Es gibt keine Abstimmungen, was getan werden soll oder muß, es wird geredet. Wenn sie aus ihrer Wohnung = den Wagen raussteigen, dann sind sie meist nicht im dicht verbauten Stadtgebiet, sondern in der Natur, weit außerhalb des Stadtkerns.
März 2008 – die Baupolizei tritt auf, es gibt Bescheide gegen Verstöße des Naturschutzgesetzes
Im Wagendorf in Simmering leben ca. 20 junge Leute auf einem von privat gemietetem Grundstück. Im März 2008 gab es einen Bescheid der Baupolizei, im gewidmeten Grünland dürfen die Wägen nicht stehen. Es werden gegen mehrere Wägen Strafen über 20.000 Euro ausgestellt, Berufungen sind noch im laufen. Verhandlungen mit der Stadt Wien bringen kein Ergebnis, die Situation ist prekär und es ist absehbar, die Menschen vom Wagenplatz müssen ein drittes Mal umziehen.
Für mehr Wagenplätze und Freiräume…
Im Dezember 2008 wird eine Demo geplant – ca. 40 Demonstranten stehen mehrere Hundert Polizisten gegenüber. Es wurde ein frohes buntes Fest und die Polizei zog den Großteil ihrer Mannschaften wieder ab.
Im Mai 2009 scheint es soweit zu sein, der Durchbruch bei den Verhandlungen mit der Stadt Wien ist in Sicht. Ein Grundstück der Stadt Wien im 22. Bezirk soll auf Prekariatsbasis für einen Wagenplatz zur Verfügung gestellt werden. Der Mietvertrag wird ausformuliert, das schreibt auch schon die Presse am 7. April 2009.
Somit wird der Mietvertrag in Simmering gekündigt, der Platz ist bis Ende August 2009 zu räumen, die Übersiedlung ist in Vorbereitung.
Die FPÖ hetzt und die SPÖ kuscht
FP-Gemeinderat Mahdalik hetzt in einer Presseaussendung und Vizebürgermeister Ludwig kann sich im Juli 2009 an keinerlei Vereinbarung erinnern, nach 2 Jahren Verhandlungen will die Stadt Wien auf einmal über 20.000 pro Monat Miete für das angebotene Grundstück in der Donaustadt. Die Wagenplatz-Leute stehen auf der Straße …
Zwischennutzung von Brachflächen
Es gibt genug Flächen in Wien, die seit Jahren leer stehen. Die Wagenplatz-Menschen beschließen, diese zwischen zu nutzen und zu besiedeln und als „Miete“ 500 Euro monatlich an ein Sozialprojekt im jeweiligen Bezirk zu überweisen.
Neuer Wagenplatz Baumgasse (Baumgasse 60, 1030 Wien, Ecke Litfaßstraße):
Das Grundstück in der Baumgasse hat nur eine Nachbarin, die Arena Wien. Der Haken daran ist, das Grundstück gehört der Firma Porr und diese ist mit ihren „MieterInnen“ nicht einverstanden und besteht auf einer Räumung bis kommenden Dienstag, 27.7.09. Alle Interessierten können gerne vorbeikommen oder sich jederzeit bei Frau Ludmilla unter 068110774635 oder mail@wagenplatz.at melden.
Neue Wagenplatz Hafenzufahrtsstraße (Hafenzufahrtsstraße 60, 1020 Wien):
Hier gibt es einen Fiaker mit seinen Pferden als Nachbarn. Tel. Kontaktadresse ist hier Frau Elfriede unter 06764052111 oder per eMail an mail@wagenplatz.at. Fotos.
Der alte Platz in Simmering (Kimmerlgasse, 1110 Wien) ist derzeit noch in Betrieb, wird aber mit Ablauf des Mietvertrages Ende August geräumt. Derzeit sind viele WagenbewohnerInnen zu den Internationalen Wagentagen in Wien zu Gast und haben dort ihren Wagen aufgestellt.
Für heute Samstag ist ein kleines informelles Treffen im Rahmen der Internationalen Wagentage am Schwarzenbergplatz, 17.00 Uhr, angesagt.
Grüne Forderung an die SPÖ und die Stadt Wien
Es gibt genug brachliegende Grundstücke in Wien und die Stadt Wien ist aufgefordert, rasch Wagenplätze für diese alternative Wohnform zur Verfügung zu stellen. Der Stadtrat der Grünen, David Ellensohn, bestärkt die SPÖ doch mutig zu sein und fordert,
“die Wiener SPÖ darf sich nicht länger von der FPÖ vor sich her treiben lassen, sondern muss jetzt einen adäquaten Platz bereitstellen. Es ist beschämend, dass die Wiener SPÖ die BewohnerInnen des Wagenplatzes so lange hinhält und sich vor einer Entscheidung drückt“.

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