Am Montag den 8.Juni war es wieder mal soweit:
Der Vorsitzende der Noch-Mehrheitspartei im Bezirk hat zu einer „weiteren Sitzung der Verkehrskommission“ geladen.
Wem der Koffeinspiegel schon gesunken ist, der holt sich noch schnell einen Filterkaffee aus der Thermos, man weiss ja, die Sitzungen sind lang und wer weiss, wann es wieder gratis Kaffee gibt.
Hier der Bericht:
Ungefähr 20 grüne Angträge listet die Tagesordnung, plus ein paar verstreute der anderen Parteien. Am Podium, mit älteren Herren gut besetzt, neben dem Herrn Vorsitzenen auch Vertreter der div Magistratsdienststellen. Irgendwann geht es um die elenden Wartezeiten für die Nichtmotorsierten *outlaws* an den Kreuzungen Taborstrasse X Heinestrasse und Taborstrasse X Augartenstrasse. Seit der 21er nicht mehr fährt, so hört mensch, geht die Wartezeit für Nicht-SUV-FahrerInnen dort überhaupt gegen unendlich.
Die Wartezeiten für Fussgänger, führt der Vertreter der MA33 aus, haben sich dort nicht verändert, das sei alles subjektiv, und er packt auch gleich die Formel für die „durchschnittliche Wartezeit“ aus: Nichtgrünzeit (83 Sekunden) zum Quadrat, durch 2 mal Umlaufzeit (100 Sekunden) oder so, 40 komma 5 Sekunden, nicht länger. Naja, das sei natürlich nur der Durchschnitt, und wenn dann die Strassenbahn noch daherkommt und sich anmeldet, könne es schon mal überhaupt um einiges länger werden usw. usw.
Naja wenns schon so technisch daherkommt, erdreistet sich doch ein Grüner die Angaben infrage zu stellen, offenbar stimmt bei der Rechnung was nicht, die Nichtgrünzeit sei noch länger, 90 Sekunden, das sei schon heftig für Fussgänger, und das noch ohne Strassenbahn, wers nicht glaubt kann ja mit der Formel nachrechnen.
Jetzt reichts, entfährt es da dem Herrn Vorsitzenden, das sei jetzt eindeutig über Niveau dieser Expertenrunde, das sollten sich die beiden nachher bei einem Kaffee ausmachen.
Wäre ja noch schöner, wenn in der Verkehrskommission mal über Verkehrspolitik geredet würde, apropos, die Umlaufzeit von 100 Sekunden, oder 90 Sekunden „Nichtgrünzeit“ (also Wartezeit) für die FussgängerInnen ist einsamer Rekord in Europa, erdreistet sich dieser Grüne noch zu sagen, und das der Grund, warum dort vom Kleinkind bis zu den 100-jährigen alle bei Rot gehen oder rennen.
Keine Spur, beruhigt die MA33, wenns nach uns ginge würden dort 120 Sekunden geschalten … na wenn das keine Aussichten sind.
Zur Erklärung:
Lange Umlaufzeiten sind immer gut für die Autler, kurze Umlaufzeiten für die Nichtmotorisierten. Berlin und Graz schalten seit Jahrzehnten aus diesem Grund nur 75 bzw 80 Sekunden, in den nordischen Ländern sind 60 und 75 Sekunden Standard. Wien ist anders, hier macht autofahren noch richtig Spass, und die FussgängerInnen stehen sich an den Ampeln die Füsse in den Bauch, oder rennen halt bei rot. Die Verkehrskommission machts möglich ![]()
na hoffentlich ist der Kaffee nicht kalt geworden inzwischen …
lg martin

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