ÖVP-Hahn: Der Oberprovinzler

14 05 2009

Und nun kommen wir einmal zu etwas ganz anderem…

Minister Hahn kehrt dem CERN den Rücken

Minister Hahn kehrt dem CERN den Rücken

Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat letzte Woche erklärt, dass Österreich in Zukunft das Europäische Forschungszentrum CERN in Genf nicht mehr kofinanzieren und die Mitgliedschaft aufkündigen wird. Das CERN ist das wichtigste Forschungszentrum Europas im Bereich der Kernforschung und Hochenergiephysik.

Von dieser unverantwortlichen Entscheidung betroffen sind Hunderte österreichische ForscherInnen und IngenieurInnen, die am oder mit dem CERN arbeiten, StudentInnen, die am CERN Praktika durchführen konnten, junge WissenschafterInnen und TechnikerInnen, die bislang sehr stark von dem Doktorandenprogramm am CERN profitiert haben. Viele österreichische ForscherInnen haben direkt und indirekt vom CERN profitiert.
Für ein Land ohne nennenswerte Bodenschätze ist die Ausbildung seiner Menschen der wichtigste Rohstoff. Ganz abgesehen vom Schaden für die österreichische Industrie, die in der Vergangenheit Millionenaufträge vom CERN erhalten hat und nun mittelfristig wohl ins Hintertreffen geraten wird.

Der Ausstieg aus dem CERN ist ein hinterwäldlerischer Akt, für den man sich als Österreicher eigentlich schämen müsste. Und verantwortlich dafür ist der sich sonst so weltgewandt gebende Wissenschaftsminister Hahn. Eigentlich unglaublich.

Linearbeschleuniger im CERN

Linearbeschleuniger im CERN

Nun noch zu den Kosten. Der jährliche Mitgliedsbeitrag Österreichs am CERN beträgt derzeit 16 Mio. Euro. Hätt’ ich dieses Geld am Konto, wär’ es sehr viel. Setzt man es aber in Relation zu seiner Bedeutung und anderen Staatsausgaben, wird es schon viel weniger. Die unnötige P&R-Anlage Aderklaaerstraße soll 24 Mio. Euro kosten, die unnötige und kontraproduktive Lobauautobahn soll 1.700 Mio. Euro kosten (=106 Jahre CERN-Mitgliedschaft).

Okay, vielleicht ist das ein wenig polemisch, aber kommen wir nun zu etwas Vergleichbarem: Österreich ist auch Mitglied beim EURATOM. Dafür zahlt Österreich jährlich mehr als 40 Mio. Euro. Mit diesem Geld finanziert Österreich den Ausbau der europäischen Atomindustrie mit. Die wenigsten ÖsterreicherInnen wären wohl damit einverstanden, wenn ihnen das bewusst wäre.
Herr Wissenschaftsminister Hahn, steigen Sie doch aus dem EURATOM-Vertrag aus, da können Sie noch mehr Geld sparen und machen auch noch etwas Sinnvolles!

Wer gegen den CERN-Ausstieg protestieren will, kann die Petition SOS unterschreiben.

Wolfgang


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3 Antworten

18 05 2009
wolfgangkamptner

Danke, Herr Bundeskanzler

Es war wohl eine ein wenig komische Mischung aus negativen Schlagzeilen in der Boulevardpresse, Skepsis aus den eigenen Reihen und vielleicht sogar die Einsicht, dass der CERN-Ausstieg inhaltlich abzulehnen ist. Man wird den wahren Grund dafür vielleicht nie wissen, aber egal. Faymann hat Hahn in die Schranken gewiesen und dafür ist ihm zu danken.

Ich danke aber auch allen, bisher knapp 32.000 UnterzeichnerInnen der Petition SOS. Der Druck von dieser Seite hat sicher auch mitgeholfen.

20 07 2009
LHC

Wär doch schade wenn wir das verpassen würden.
http://www.lhc-facts.ch

14 10 2009
Wolfgang Zöllner

Lesen Sie meinen Thriller über die CERN Experimente:
„Atlas ohne Schweiz“
gerade erschienen bei Edition Winterwork, 358 Seiten, 16,95 €
Danach werden Sie verstehen, warum es vielleicht doch klug gewesen wäre, wenn Österreich sich vom CERN verabschiedet hätte.

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