Interessant. Bernhard Dworak, Landtagsabgeordneter und “ÖVP-Beauftragter für Fußgängerfragen” hat sich gestern für längere Grünphasen bei Fußgängerampeln ausgesprochen. Die ÖVP springt damit auf eine alte Grüne Forderung auf. Sehr schön, ich freu mich, hoffentlich ist es ernst gemeint.
Ich würde ihm raten, bei seinem Einsatz für längere Grünphasen bei Fußgängerampeln gleich einmal bei seinen ParteikollegInnen in der Leopoldstadt anzufangen. Sehr häufig stimmt die ÖVP Leopoldstadt nämlich gegen unsere Anträge, wenn es darum geht, die Ampelphasen an die Vorgaben des Verkehrskonzepts der Stadt Wien anzupassen, konkret, die Grünphasen bei Fußgängerampeln zu verlängern.
Das letzte Mal war dies im vergangenem Oktober der Fall, als wir längeres Fußgängergrün bei den Ampeln Rembrandtstraße/Obere Augartenstraße und Venediger Au/Ausstellungsstraße verlangten. Beide Anträge wurden von ÖVP und FPÖ abgelehnt.
FPÖ und ÖVP haben diese Ablehnung nicht begründet. Wir können die Beweggründe dafür nur vermuten.
Möglicherweise fürchten sie, dass eine Verbesserung der Situation für FußgängerInnen zu Lasten der AutofahrerInnen geht. Das kann sein, ist aber nicht zwingend.
Besonders scheinheilig finde ich, wenn ich in der APA lese, dass Herr Dworak die Kreuzung Taborstraße/Obere Augartenstraße als aktuelle Problemzone nennt. Natürlich hat er recht, die Grünphasen für die FußgängerInnen sind dort einfach jenseits. Rotphasen und damit Wartezeiten für FußgängerInnen über 2 Minuten sind dort keine Seltenheit – und gleichzeitig hat der parallel fahrende Autoverkehr Grün.

Ampel Taborstraße/Obere Augartenstraße: Querverkehr und FußgängerInnen haben lange Rot - gleichzeitig!
Und warum ist das dort so? Weil die ÖVP Leopoldstadt der Einstellung des 21ers mit allen Folgeerscheinungen – vor denen wir gewarnt haben – zugestimmt hat. Durch die Einführung der Einbahn in der Castellezgasse für den „Ersatzbus“ 80A bleibt nur mehr die Taborstraße als einzige Straße Richtung Innenstadt. Dieses Nadelöhr schafft den Autoverkehr kapazitätsmäßig eben nur mehr, indem die Ampeln so geschalten werden, dass sie die FußgängerInnen verhungern lässt. Dass es dort durch die unmögliche Ampelschaltung eine hohe Anzahl an RotgeherInnen gibt, ist sowohl verständlich als auch höchst gefährlich.
Das muss sich rasch ändern – vielleicht kann der Herr Dworak da was machen…
Wolfgang



Ich würde vorschlagen, die FußgängerInnen verweigern die Steuerzahlung. Warum für Autostraßen zahlen …?
Ich glaube, das Problem ließe sich leichter lösen als durch einen Steuerboykott. Wenn man in der morgendlichen Rush-hour die Parkspur in der Taborstraße vor der Obere Augartenstraße als Fahrspur benutzt, würde die Straßenbahn nicht im Stau stehen und die Ampel könnte ganz normal geschalten werden.
Oder man führt in dem Bereich den 21er wieder ein, schafft den 80A ab und kann die Einbahn in der Castellezgasse wieder umdrehen.
Wenn man sich über die Finanzierung von Autostraßen für den Nutzen einiger weniger aufregt, dann ist das im Falle der geplanten Lobauautobahn wohl eher berechtigt.