Der Riesenradplatz von Gala Sekret ist ein Xenogramm(*) – eine Einschreibung des Fremden mit den Mitteln der Architektur, oder was die Verantwortlichen für Architektur halten. In Wirklichkeit ist der Riesenradplatz von heute eine obszöne Imitation von „Architektur“ und hat mit kunstvoller Beschreibung eines (möglichen) Identitätsraumes nichts zu tun, der Riesenradplatz von heute ist eine Überformung, eine Einschreibung und gesetztes Monument eines obszönen Politikverständnis jenseits schon des Paternalismus.

Um dieses Xenogramm zu entschlüsseln, ist es notwendig, sich mit den Motiven von Gala Sekret auseinandersetzen, was insofern schwierig ist, weil es sich hier zu allererst um eine Abwesenheit jedwedes stadtplanerischen Motivs handelt. Doch es wäre zu kurz gegriffen, im Riesenradplatz bloß eine Inszenierung des goldenen Kalbs, eines Götzenbildes zu sehen, um welches die Konsumenten tanzen sollen (demnächst auch mit Musikbeschallung). Und lassen wir auch die niederen Motive von Gala Sekret beiseite, die umgangssprachlich mit Freunderlwirtschaft, politisch mit Korruption zu beschreiben wären. Die nur noch auf sich selbst zurückgeworfene politische Macht ist im Kern nur noch obszön und hat kein weiteres Motiv mehr als die Verlängerung des eigenen Daseins. Trifft dieses Motiv auf pure Geltungssucht in Ermangelung realer Verdienste um das Gemeinwohl, betreibt die Politik die Kohabitation, den Beischlaf mit dem Mammon.
Der brüchigen und zerrissenen (wie jede andere auch) Identität des Praters, wurde eine poröse Attrappe vorgehängt; doch nicht die Attrappe selbst ist die Einschreibung des Fremden, sondern ihre Wirkung als Reizmuster, die Degradierung des Besuchers zum dümmlichen Konsumenten. Die Wiener und Wienerinnen wurden zu dummen Fremden an eigenen Orten, hier am Beispiel Prater, andere werden folgen. Folgenlos bleibt die Kritik der Fachleute, der Opposition, der Besucherinnen. Fragen wir jene, die fern bleiben, warum und was tun. Gala Sekret wird wegen dieses Debakels nicht zurücktreten, weil es in ihren Augen keines ist, sondern eine Story ihres Erfolgs (von was?), mit viel Einsatz herbeigeschrieben in den Gazetten und den hauseigenen Maschinen zur Produktion von Stimmung.
Der Kritik an der SPÖ müsste der offene Aufruf folgen zum Boykott einer Stadt, in die sich die Obszönität zunehmend einschreibt. Denn wir WienerInnen sind nicht obszön, wir gehen in den Prater, sofern wir ihn lieben, aus keinem anderem Grund, von potemkinschen Dörfern lassen sich nur Fremde täuschen.
*) Xenogramm: 1. Fremdbeschreibung; 2. Überbegriff für alle Arten von Verschlüsselungen wie Kryptogramme, Anagramme (z.B. Grete Laska : Gala Sekret; Potemkinsches Dorf : opfernde Mischkost)

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