Nachdem sich die österreichische Bundesregierung offenbar darauf geeinigt hat, keine Politik mehr zu machen, stößt die Sozialpartnerschaft (Wirtschaftskammer & ÖGB) in das Politikvakuum vor und regiert in Österreich wie früher.
Der Wirtschaftsminister versteht sich als Emissär der Wirtschaftskammer und setzt die Wünsche von WK-Chef Leitl pflichtbewusst um. Ex-Umweltminister Pröll ändert seine Meinung zur Verschrottungsprämie innerhalb einer Woche und der Bundeskanzler schweigt wie üblich, wenn es darum geht, dass er zu einem Sachthema eine Meinung haben soll.
Es gibt eine Menge von Gründen, die gegen eine Verschrottungsprämie in Österreich sprechen. Nachzulesen bei der Grünen Verkehrssprecherin Gabi Moser, beim VCÖ, bei radlobby.at und beim ÖAMTC.
Der Chef des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, beurteilt die Prämie als „pervers, weil sie Anreize schafft, ökonomische Werte zu vernichten“.
Der Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer kritisiert, dass durch die Verschrottungsprämie nur heimische Steuerzahler die Wirtschaft anderer Länder ankurbeln.
Und der profil-Journalist Peter Michael Lingens erklärt in seiner Kolumne, warum die Verschrottungsprämie aus wirtschaftspolitischen Gründen kontraproduktiv ist.
„Das Grundproblem der Autoindustrie ist ganz einfach: Es gibt in den entwickelten Industrieländern bereits überreichlich Autos – für das, was jetzt noch hinzukommt, sind die vorhandenen Kapazitäten um vieles zu groß. Daher müssen sie schrumpfen, und diese Schrumpfung ist durch keinen Hilfstopf der Welt aufzuhalten.“
“Das Motiv, das Politiker nach solchen „Aktionen“ rufen lässt, ist ehrenwert. Sie glauben, dadurch Arbeitslosigkeit zu verhindern. Aber das Gegenteil ist richtig: Sie verbrauchen nur Geld, das weit besser eingesetzt wäre, wenn durch große Staatsaufträge neue Arbeitsplätze geschaffen würden.“
Doch jetzt hat auch Österreich seine Verschrottungsprämie. Es wird geschätzt, dass sie ca. 45 Mio. Euro Steuergeld kosten wird. Die amerikanischen, italienischen, französischen, deutschen, japanischen und südkoreanischen Autofirmen werden sich sicherlich sehr darüber freuen ;-(
Wolfgang
Nachtrag:
Auch Chrysler wirbt für sein Chrysler Cabrio um lächerliche 29.900,- EUR mit einem CO2-Emissionswert von „lächerlichen“ 183 g/km. Eigentlich müsste man die Bundesregierung für den Gebrauch des Wortes „Öko“prämie im Zusammenhang mit der Verschrottungsprämie verklagen, aber wie?



[...] Grünen schreiben z. B. über die Schrottprämie für Autos: Doch jetzt hat auch Österreich seine Verschrottungsprämie. Es wird geschätzt, dass [...]
Wunderbar! In ORF-Online kann man die Story “Schrottprämie macht Autos” teurer lesen.
Zumindest für Deutschland steht bereits fest, dass die umstrittene Verschrottungsprämie die Autos teurer machen wird. Steigende Nachfrage führe eben zu steigenden Preisen, heißt es dazu ungerührt vonseiten der deutschen Händler. Weil die Händler nun eben weniger Rabatte geben.
45 Mio. Euro Steuergeld also für nichts und wieder nichts. Eine geniale Wirtschaftspolitik, liebe Regierung (*Achtung: Zynismus*)
„Ökoprämie“ kurbelt SUV-Verkauf an
Nun haben wir es Schwarz auf Weiß. Während der Autoverkauf in Österreich durch die Verschrottungsprämie im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13% gestiegen ist, stieg der Absatz der SUVs (das sind jene spritfressenden Panzer, die in Wien leider immer häufiger werden) um ganze 28%. Diese eindeutigen Zahlen hat der VCÖ zusammengetragen.
Das Wort „Ökoprämie“ ist in diesem Zusammenhang also völlig unangebracht und pervers.
Es wäre nur dann gerechtfertigt gewesen, wenn die Verschrottungsprämie an den Neukauf eines spritsparenden Autos gekoppelt wäre. Aber mit Umweltschutz hat unsere Regierung ja leider gar nichts am Hut.
In meinem Artikel habe ich geschrieben: “1.500,- Euro für ein Autowrack – ein weites Betätigungsfeld für Autoschieber“.
Ich hab’ leider recht gehabt, wie mensch auf ORF-On nachlesen kann.
Und in Österreich wird’s sicher nicht viel anders gewesen sein als in Deutschland.
ich möchte ja wissen, ein jahr nach der dämlichen verschrottungsprämie, was übrig geblieben ist. die händler haben gewonnen, der steuerzahler wohl verloren… aber gibts eine wirklich gute untersuchung dazu?
Ich kenne keine derartige Studie. Aber sie würde mich natürlich auch interessieren.
Allerdings muss man sich dafür vermutlich auch noch 2010 ansehen. Denn während die Vorziehkäufe durch die Verschrottungsprämie 2009 für ein ausgezeichnetes Verkaufsergebnis bei Autos in Europa geführt hat, spricht z.B. der Vorstandschef der Porsche Holding Salzburg von einem erwarteten Händlerstreben 2010.