Salzorgie auf Gehsteigen und Radwegen

13 01 2009
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Hier hilft kein Öl mehr

In den letzten Tagen hat es in der Leopoldstadt aus dem Hochnebel leicht geflankerlt. Die Schneehöhe betrug schätzometrisch 2 Millimeter. Doch das reicht offenbar schon, um ganz Wien in Salzlösung zu tränken. Das ist völlig absurd.

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Etwas Chemie:

Salz (=Steinsalz, NaCl, Natriumchlorid) schädigt Böden, Pflanzen, Gewässer und Tierpfoten und führt zu Korrosion bei Beton, Stahl, Karosserien (Kfz und Räder).

s. Beilage der Umweltberatung.

Dabei fehlen in dieser Aufstellung noch die negativen Auswirkungen auf Fahrräder, Hunde und Schuhe:

- Fahrräder: Ketten und Schaltungen rosten viel schneller, Rahmen und Reifenmäntel werden brüchig und spröde.

- Haustiere: Auftaumittel greifen die empfindlichen Pfotenballen von Haustieren an, und der Splitt klemmt sich zwischen den Ballen fest und schmerzt. Wenn die Tiere das Salz aus Pfoten und Fell lecken können Probleme auftreten. Und wenn dann auch noch Splitt mit in den Verdauungstrakt gelangt, kann unter Umständen eine ernsthafte Erkrankung die Folge sein. Reizungen bis zu Entzündungen der Schleimhäute (Nase, Augen) sind möglich. Auch die gering behaarte Bauchseite kann Entzündungen oder Verletzungen durch die Winterstreuung bekommen.

- Und auch das Leder der Schuhe wird ruiniert (wird viel schneller spröde).

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Steinsalz bringt Pflanzen zum Absterben

Bis 2003 gab es in Wien ein Salzstreuverbot (ausg. bei Extremverhältnissen) – aus gutem Grund. Sogar an den Autobahn-Stadteinfahrten hieß es damals “In Wien gibt es Salz nur auf dem Salzstangerl”. Damit wollte die SPÖ noch auf den Slogan der „Umweltmusterstadt Wien“ anspielen. Doch davon hat sich die SPÖ bereits seit langem verabschiedet. Ex-Umweltstadträtin Kossina vollzog mit der Winterdienst-VO 2003 eine radikale Kehrtwende.

Das führte dazu, dass die MA48 alle Straßen mit einer Feuchtsalzlösung (Steinsalzsole) streuen, auch wenn noch so wenig Schnee liegt und trotz Winterreifenpflicht. Und die privaten Hausbesorger (-firmen) streuen das (trockene) Salz in viel zu großen Mengen auf die Gehsteige. Das wesentlich umweltfreundlichere Kaliumkarbonat ist übrigens ca. 4x so teuer als Steinsalz – das ist wohl der Hauptgrund für die Salzorgie in Wien.

Hausbesorger (-firmen) sind übrigens verpflichtet, Salz und Streumittel wieder einzukehren, wenn es eine Warmphase gibt, aber das überprüft niemand (zuständig wäre die MA22 – Umwelthotline (4000-8022). Dort können auch Verstöße gegen die Winterdienst-VO angezeigt werden (also wenn z.B. Salz in der Nähe von Grünflächen gestreut wird (10 Meter Abstand, ohne bauliche Trennung))).

Salzhaufen neben Grünfläche

Salzhaufen neben Grünfläche

Wir Grüne wollen den Einsatz von NaCl auf Extremverhältnisse wie Eisregen und Glatteis, sowie auf Kreuzungen und auf Straßensteigungen beschränken.

Nie auf Gehsteigen und Radwegen. Wenn dort wirklich Auftausalze notwendig sind, eher Kaliumkarbonat verwenden.

Wir fordern einen differenzierten, dreistufigen Winterdienst (wird auch vom deutschen Umweltbundesamt empfohlen):

Stufe eins – für Fahrbahnen der Nebenstraßen: lediglich räumen und gar nicht streuen.

Stufe zwei – für Bürgersteige und Radwege: Räumen und möglichst nur salzfreie, abstumpfende Mittel mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ streuen.

Stufe drei – für Gefahrenstellen und auf Kreuzungen: sparsamer Einsatz von Feuchtsalz.

Auch auf Bezirksebene haben wir bereits einige Male versucht, den Salzeinsatz zu verringern, doch stoßen wir dabei bei Bezirksvorsteher Kubik leider nur auf taube Ohren.

Wolfgang

Wer zahlt den Schaden?

Wer zahlt den Schaden?


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7 Antworten

14 01 2009
jensito

Kann man denn diese Forderungen nach relativer Salzfreiheit der Stadt nicht etwas prominenter platzieren als nur in einem Blog?
Ich trau mich gar nicht mehr aus dem Haus.

9 02 2009
wolfgangkamptner

Nein, natürlich machen wir die Versalzung der Stadt nicht nur hier im Blog zum Thema.
Hier eine Aufzählung der weiteren Aktivitäten:
2 Beiträge auf der Homepage der Wiener Grünen:
http://wien.gruene.at/umwelt/artikel/lesen/39653/
http://wien.gruene.at/umwelt/artikel/lesen/40223/

Eine Anfrage an die Umweltstadträtin im Gemeinderat.

Hintergrundinfo für die APA, die daraus eine eigene Meldung gemacht hat. Dass diese Meldung keine einzige Zeitung gebracht hat, hat uns auch überrascht. Offenbar ist es noch kein Thema für die JournalistInnen.

Und in der nächsten Bezirkszeitung (erscheint kommenden Mittwoch) widmet sich der Grüne BV-Stv. Adi Hasch in seinem Kommentar dieses Themas.

Dennoch ist es offenbar nicht einfach, die Medien für das Thema zu interessieren. Hier wären Leserbriefe an die Zeitungen von allen, die sich über das viele Salz ärgern, sicherlich hilfreich.

Ciao, Wolfgang

14 01 2009
jensito

Beziehungsweise: Wenn die Grünen es schaffen, den Salzeinsatz signifikant zu reduzieren, bekommen sie bei der nächsten Gemeinderatswahl meine Stimme!

5 02 2009
jensito

Nun gut, da ja nicht mal in einem solchen Blog auf potentielle WählerInnen eingegangen werden muss, werden auch die Grünen meine Stimme nicht bekommen.

9 02 2009
wolfgangkamptner

Ich hab deine Meldung nicht unbedingt als Aufforderung gesehen, direkt darauf eine Antwort zu geben. Eher so als Zustimmung.
Aber ich kann ja jetzt noch auf deinen ersten beitrag antworten.

9 02 2009
jensito

Ich hatte letzthin einen leicht reizbaren Tag, und dann kam auch noch keine Antwort – tut mir leid!
Ja, natürlich stimme ich den Antisalzaktivitäten zu.
Damit es ein Thema für Journalisten wird, muss es vielleicht ein, zwei Ebenen höher angesiedelt werden. Beziehungsweise sollte sich die Wiener Grünenchefin zu Wort melden.

Vielleicht könnten sich die Grünen eine Plakatkampagne leisten?
An die MA22 hab ich mal geschrieben. Die meinten nur, sie seien nicht zuständig. Und an die MA48 hab ich auch mal geschrieben, die wiederum verwiesen nur auf Paragraph sowieso und die Verkehrssicherheit.
In irgendeiner Form die Öffentlichkeit zu erreichen, wäre sicher sehr gut.

16 02 2009
wolfgangkamptner

Nun ja, das Thema wird vom Umweltsprecher der Wiener Grünen, GR Maresch, medial vertreten. Das ist schon wesentlich mehr als nur von den Bezirksgrünen.

Ich kann dir nur versichern, dass wir am Thema weiter dranbleiben werden. Laut Wettervorhersage wird das Thema ja diese Woche in Wien wieder aktuell werden.

Ciao, Wolfgang

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