Die schwarze Serie geht weiter

28 10 2008

Unfassbar. Heute starb in der Leopoldstadt der 3. Radfahrer innerhalb von 14 Tagen. Abermals überrollt von einem Lkw.

Der Radfahrer war auf dem Gehsteig-Radweg in der Taborstraße unterwegs, als ein Lkw-Fahrer von der Taborstraße kommend in den Frachtenbahnhof Nordwestbahnhof einbog und ihn offenbar übersah.

Dieser Fall ist besonders tragisch, weil er nicht ganz überraschend kam. Wir haben bereits im September 2002 einen Antrag gestellt mit dem Ziel, die Verkehrssicherheit auf diesem Radweg zu erhöhen. Mehr als ein paar zusätzliche Bodenmarkierungen fielen der MA46 und der Bezirksvorstehung dazu aber nicht ein.

Dieser Radweg ist einer von der ganz unsicheren Sorte. Ein Zweirichtungsradweg am Gehsteig, bei dem die RadfahrerInnen und die FußgängerInnen nur durch einen Pinselstrich getrennt sind. Dazu kommen drei Ausfahrten aus dem Nordwestbahnhof, bei denen die Sichtbeziehung zwischen Lkws und RadlerInnen nur sehr eingeschränkt gegeben ist. Außerdem ignorieren LKW-LenkerInnen immer wieder den Geh- und Radweg und bremsen bei der Ausfahrt trotz Stopptafel erst vor der Fahrbahn ab.

Dieser Radweg ist durch kleine Änderungen nicht wirklich zu verbessern. Hier gehört die Radverkehrsanlage grundlegend anders angelegt und zwar in Form von richtungsbegleitenden Einrichtungs-Radstreifen auf der Fahrbahn. Alles andere ist nur ein gefährlicher Murks.

Noch ein anderes Faktum regt zum Nachdenken an.

Die Magistratsabteilung 46 erstellt jährlich für alle 23 Wiener Gemeindebezirke eine eigene Unfallbilanz, die z.T. auch Lösungsvorschläge baulicher und/oder organisatorischer Natur für eine allfällige Umgestaltung der Verkehrssituation zur Entschärfung von Unfallhäufungsstellen enthält. Doch während es in anderen Bezirken üblich ist, dass dieser Unfallbericht in der Verkehrskommission diskutiert wird, verweigert die SPÖ dies in der Leopoldstadt. Zuletzt wurde die Unfallbilanz 2001 präsentiert. Seither nicht mehr.

2006 haben wir diese Präsentation sogar per Antrag verlangt. SPÖ, ÖVP und FPÖ haben dieses Ansinnen aber geschlossen abgelehnt. Wir sind uns aber sicher, dass es wichtig wäre, alle Mitglieder der Verkehrskommission, die ja über viele Verkehrsmaßnahmen im Bezirk zu entscheiden haben, auch darüber zu informieren, wo es Handlungsbedarf gibt.

Wer – außer die SPÖ – weiß, was die MA46 in Bezug auf den Radweg Taborstraße vorgeschlagen hat? Vielleicht gab es Verbesserungsvorschläge und vielleicht hätten sie das Schlimmste verhindert?

Wolfgang, Alltagsradler


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