Des Bezirksvorstehers Wunschträume

9 10 2008

Kubiks verwunderliche Ansichten

Kubiks verwunderliche Ansichten

Normalerweise sind die Ausführungen von SP-Bezirksvorsteher Kubik in seiner bz-Kolumne ja eher unaufregend, Marke ZK-Kommuniques. Doch diesmal (Ausgabe 20/08 der Bezirkszeitung) schreibt er sich offenbar seinen Frust von der Seele in Bezug auf sein Versagen beim Erhalt der Leopoldstädter Straßenbahnlinie 21. In seiner Kolumne versucht er die Grüne Position in dieser Frage zu interpretieren. Seine Ausführungen schwanken zwischen Klamauk und Chuzpe.

Hier einige Auszüge, inkl. Kommentar meinerseits:

„Jetzt dürften es endlich auch die GRÜNEIN begriffen haben, dass 10 Millionen Euro für die Parallelführung des 21ers eine zu hohe Belastung darstellt. Scheibchenweise verabschieden sich die GRÜNEIN von ihrem ‚Lieblings-Aufreger’.“

1) Das hätte er gerne, UHBV (Unser lieber Herr Bezirksvorsteher). Es liegt ja wohl auf der Hand, dass lokale Themen in einem Wahlkampf zum Nationalrat nicht die Hauptthemen sein können, weswegen wir die Causa 21er in den letzten Wochen nicht so stark betont haben. Aber UHBV kann beruhigt sein, er wird von uns in dieser Frage in den nächsten Monaten noch mehr hören und lesen, als ihm lieb ist.

2) Die Verballhornung des Namens Grüne in Grünein mag ja so halbwegs originell sein, dennoch hat UHBV da etwas noch immer nicht kapiert. Während die Grünen und weite Teile der Leopoldstädter Bevölkerung JA zur U2 UND zum 21er gesagt haben, ist die SPÖ diejenige Partei, die NEIN zum 21er gesagt hat.

Aber wie kommt UHBV eigentlich zu der Annahme, dass wir uns geistig bereits vom 21er verabschiedet haben? Er zitiert in seinem Kommentar aus einem Grünen Flugblatt: „Deshalb verlangen wir eine Wiederaufnahme des 21ers vom Schwedenplatz über den Praterstern bis zum Elderschplatz.“

Ich finde es immer extrem peinlich, wenn man in einem Zitat absichtlich Wörter weglässt, um den Sinn des Satzes zu verändern. Möglicherweise hat UHBV aber auch wirklich Probleme beim Lesen – darauf hat seine falsche Auslegung der Geschäftsordnung im Bezirksparlament schon einmal hingewiesen.

Der Satz im Grünen Flugblatt hat in Wirklichkeit gelautet: „Deshalb verlangen wir zumindest eine Wiederaufnahme des 21ers vom Schwedenplatz über den Praterstern bis zum Elderschplatz.“ Das kleine Wörtchen „zumindest“ bedeutet, dass wir es natürlich lieber hätten, wenn der 21er zur Gänze wieder eingeführt wird.

Nun sind die Grünen natürlich insoferne keine Realitätsverweigerer, als wir auch mitbekommen haben, dass die Schienen des 21ers neben dem Einkaufszentrum bereits im Sommer entfernt wurden (‚Politik der verbrannten Erde’) und die Planungen für eine Wohnhausanlage statt der Straßenbahn-Stadionschleife und der dortigen Tennisplätze bereits begonnen haben. Deshalb ist die letzte bestehende Umkehrmöglichkeit für eine Straßenbahn eben die Elderschplatzschleife. Deshalb der Vorschlag in unserem Flugblatt. Denn dies ist noch relativ leicht möglich und würde den Menschen im Stuwerviertel und in der Ausstellungsstraße wirklich helfen. Dagegen können wir jetzt schon davon ausgehen, dass der Bus 82A durch das Stuwerviertel ein Rohrkrepierer wird, falls er überhaupt jemals kommt. Immerhin hat ein Wiener Linien-Sprecher im Bezirksjournal erklärt, dass der Bus 82A nur dann kommt, wenn das Anrufsammeltaxi 82T genügend Auslastung hat – was kaum anzunehmen ist.

Abschließend also noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben für UHBV:

Ja, wir sind weiterhin für den 21er und werden in naher Zukunft auch entsprechende Aktivitäten setzen.

Ja, Sie werden sich auch die letzten beiden Jahren Ihrer Amtszeit mit den Folgen Ihrer Politik in der Causa 21er herumschlagen müssen.

Ja, das Thema 21er wird sie auch noch im Bezirks-Wahlkampf 2010 begleiten und wird dort – als lokales Thema in einem lokalen Wahlkampf – dazu führen, dass die Verluste der SPÖ Leopoldstadt noch einmal höher sein werden, als sie dies bereits im vergangenen NR-Wahlkampf waren. Denn schon jetzt hat die SPÖ Leopoldstadt stärker verloren, als die SPÖ Wien (7,4% statt 6,3%), was eindeutig auf Ihre bürgerfeindliche Politik zurückzuführen ist.

Wolfgang Kamptner


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